Meine Interaktive Krimilesung zum Mitmachen beginnt am 09. April um 19:00 Uhr

Willkommen auf der Homepage des Autors Peter Splitt

Manchmal ist ein Buch Dein bester Freund.

 

 

 

Hallo, Ihr Lieben:

Es geht los. Ich gebe den Startschuss zu unserer gemeinsamen interaktiven Krimilesung.

Dabei werde ich Euch häppchenweise einen kompletten, unveröffentlichen Krimi servieren und zwar täglich gegen 19:00 Uhr auf Facebook, auf Lovely Books und zum nachlesen auf meiner Webseite:petersplitt.com Mit dabei ist die Bloggerin Marita Zschenker. Sie wird meine Texte auf ihrem Block: „mehr als nur Buchstaben“ posten.

Der Krimi ist als „Mitmach-Krimi“ gedacht, will heißen, wir können gemeinsam an der Geschichte arbeiten, sie verändern oder auch so stehen lassen. Dazu möchte ich Euch bitten, Eure Ideen, Vorschläge, Kritiken und Meinungen, im Anschluss an den jeweiligen Text zu posten. Natürlich könnt Ihr mir auch private Nachrichten über Facebook schicken, oder per E-Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) Unser Krimi „Abwege“ spielt in Köln und Umgebung und ist nicht ohne. Ihr entscheidet ob er zu einem knallharten Thriller wird, oder so bleibt. Alles kann und darf verändert werden, auch wenn dabei eine komplett neue Geschichte entsteht.

 

Der „provisorische“ Klappentext lautet wie folgt:

 

Das Leben von Bernadette Meyfarth gerät völlig ins Wanken, als sie vom angeblichen Unfall ihrer Schwester Diana auf dem Fühlinger See in Köln erfährt. Doch da nirgendwo ihre Leiche auftaucht, verfolgt Hauptkommissar Gereon die Angelegenheit nur routinemäßig und halbherzig. Nur Hauptwachtmeisterin Julia Brück schenkt ihr Gehör und versucht ihr dabei zu helfen, etwas über den Verbleib ihrer Schwester herauszufinden. Eine erste Spur führt die beiden zur Kölner Universität, wo sich angeblich tolerante Studentinnen auf anonymen Sexparties der Oberschicht ein beachtliches Zubrot verdienen. Währenddessen wird Diana von einem unbekannten Psychopaten in einem umgebauten Kriegsbunker gefangen gehalten, in dem sich auch noch andere Personen befinden. Nach und nach muss jeder von Ihnen eine grausame Prüfung ablegen. Eine Prüfung, bei der es um Leben und Tod geht.

 

Ich hoffe, Ihr seid neugierig geworden und macht mit. Ich bin sehr gespannt was geschieht.

 

 Euer

 

 Peter Splitt

 

Hallo, Ihr Lieben. Wir haben jetzt einen neuen Namen für die typische Kölner Kneipe und zwar Mannis Rästaurang. Das gibt es wirklich. Ich habe heute das Okay des Besitzers bekommen und darf den Namen in unserem Krimi verwenden.

Hier kommt das achte Kapitel. Diesmal wieder mit unserem Bösewicht und für Thrillerfans. Entscheidet selbst ob die Geschichte ein Krimi oder ein Thriller werden soll....Viel spaß beim Lesen.

 

 

ACHTES KAPITEL

Horst Schürmann hatte die Prüfung nicht bestanden. Sie hatte ihm den Tod gebracht. Vielleicht hätte er sogar eine Überlebenschance gehabt, wäre er nicht hypernervös gewesen und hätte er nicht mit zittrigen Händen verzweifelt versucht, genau den einen Schlüssel zu finden, auf den es ankam. So schnappte die Falle nach genau drei Minuten zu und verrichtete ihre tödliche Arbeit. Schürmanns Augen traten hervor, als sie ihn zermalmte, genauso wie es sein Peiniger geplant hatte. Der verfolgte die groteske Szene über einen Bildschirm von seinem Überwachungsraum aus. Und es verschaffte ihm einen ganz besonderes Glücksgefühl, mit anzusehen, wie der schmierige Anwalt um sein erbärmliches Dasein kämpfte und verlor. In Gedanken hakte er den Namen Schürmann von seiner Liste ab. Doch das musste noch nicht alles gewesen sein. Er überlegte, was er mit dem Leichnam anfangen konnte. Am besten zerstückelt unter die Leute bringen. Das bringt noch einen zusätzlichen Nervenkitzel.

Allerdings wollte er die Leichenteile nicht dort lassen, wo man sie all zu leicht finden würde, aber auch nicht so gut verstecken, dass sie monatelang unentdeckt blieben. Er musste die Balance finden und genau das war der schwierigste Teil seines makabren Spiels. Die blutigen Teile wie ein Puzzle an verschiedenen Orten zu verteilen und gleichzeitig darauf zu achten, dass er nicht gesehen wurde, erforderte ein ganz besonderes Geschick. Und die Orte sollten zu einem ganz bestimmten Bezirk gehören, dem Bezirk von Kommissar Gereon! Er steckte den blutigen Körper in einen Plastiksack und brachte ihn in einen ganz bestimmten Raum. Sein umfunktioniertes Badezimmer!

Hier hatte er aus Gründen der Sauberkeit auch die Kreissäge aufgestellt. Blutspritzer versauen die unmittelbare Umgebung in Sekunden, deshalb war ein gefliester Boden mit einem Ablauf, der direkt in die Kanalisation führte, eine durchaus nützliche Errungenschaft. Er spürte eine freudige Erregung in sich aufsteigen, als er die Säge anwarf. Sie fraß sich durch Fleisch und Knochen, und mitten durch Horst Schürmann. Das restliche Blut, dass noch in ihm war, spritze auf den gefliesten Boden. Selbst die Säge war blutig, als er sie schließlich von dem Torso wegzog. Er blickte auf seine Armbanduhr. Es war 21 Uhr, Zeit um nach Hause zu fahren. Er nickte mir grausamer Genugtuung. Bestimmt würde seine Frau schon auf ihn warten.

Nur gut, dass sie die Geschichte mit den Überstunden und den Sonderschichten geschluckt hat! So bleibt mir stets genügend Freiraum für meine Spielchen, beziehungsweise für die Vorbereitungen darauf. Bisher war alles Bestens gelaufen und sie hatte keinen Verdacht geschöpft, wenn er länger von zu Hause wegblieb, -oder erst spät am Abend heim kam. Ganz im Gegenteil, dann war sie besonders zugänglich und verwöhnte ihn umso mehr. Schließlich war die verdammte Arbeit an allem schuld!

 

Er entschloss sich mit dem Arm des Leichnams anzufangen, steckte ihn in eine Plastiktüte von Aldi und ließ die anderen Leichenteile in seinem provisorischen Badezimmer zurück. Ein prüfender Blick auf den Bildschirm in seinem Überwachungsraum zeigte ihm, dass alles in Ordnung war, wenigstens in seinem Sinne. Die meisten seiner Gäste lagen lethargisch auf dem Boden oder starrten die Wände an. Routinemäßig überprüfte er seine Sicherheitsvorkehrungen, schloss die Türen ab, ging durch den kurzen Tunnel und stieg die ausgetretene Steintreppe hinauf. Sorgfältig schloss er auch noch die letzte Tür ab, dann schlich er durch den Wald und ging zu dem kleinen Parkplatz, auf dem er seinen Wagen abgestellt hatte. Eine halbe Stunde später fuhr er durch die Straßen von Köln, - langsam, erwartungsvoll. Auf den Straßen war viel los. Menschen standen vor den Bars und tranken Bier. Die meisten waren Geschäftsleute, die nach getaner Arbeit noch nicht gleich nach Hause gehen wollten, oder auswärtige Besucher. Die Randalierer würden erst später kommen. Das waren jene Jugendlichen, die sich bewusst betranken um danach richtigen Ärger machten. Vielleicht würden sie Mülltonnen umwerfen...und darin einen Arm finden! Na, wie wär das Jungs? Würde euch das gefallen?

Er grinste hämisch.

Das waren nicht seine Probleme. Er fuhr ein Stückchen weiter, steuerte Richtung Innenstadt bog links ab und musterte das Nachtleben. Die Straßen waren prallgefüllt mit Menschen. Auf der rechten Seite gab es ein Sexkino, dann kam ein durchgehend geöffneter Supermarkt. Im kam eine Idee. Perfekt, dort werde ich meinen Sondermüll ablegen.

An der nächsten Ecke hielt er brav vor einer roten Ampel. Er wollte nicht, dass irgendein eifriger Polizist ihn wegen einer Lappalie anhielt und wohlmöglich die Plastiktüte mit dem Arm fand. Kurz darauf bog er rechts ab. Noch eine Ampel! Köln war die Stadt der Ampeln. Er wartete das sie umschaltete und fuhr bei Grün um den Block. Jetzt befand er sich wieder auf den Kölner Ringen. Von hier gingen kleine Seitenstraßen ab. Es waren alles Einbahnstraßen. Er nahm die erst beste. Zwischen dem Supermarkt und dem Sexshop gab es eine Durchfahrt. Ein Kerl in einem Kittel stand genau in der Einmündung und zündete sich eine Zigarette an. Der Mann fuhr weiter... langsam, immer im Kreis herum, bis die Durchfahrt und der Bürgersteig leer waren. Er parkte den Wagen, lies jedoch den Motor laufen, öffnete die Tür, stieg aus, schlich um den Wagen herum zum Kofferraum, nahm den Plastikbeutel mit dem Arm heraus und ging rasch zu den Einkaufswagen des Supermarktes. Er schob den letzten Wagen leicht nach hinten, ließ die Plastiktüte hineinfallen, ging zurück zu seinem Wagen, startete und fuhr langsam los.

Ein Teil weniger”, sagte er sich.

 

Kurze Zeit später war er zuhause.

Ich bin da“,, rief er, noch während er zur Tür hereinkam. Keine Antwort. Stattdessen drang ihm der Klang einer Gitarre entgegen. Er trat an die Garderobe, zog seine Jacke aus und blickte in den Spiegel. Im Grunde genommen sah er noch genauso aus wie früher. Die Haut um sein Kinn herum mochte ein klein wenig schlaffer geworden sein und ein paar graue Streifen durchzogen sein Haar. Das war fast alles. Nur die kleinen Fältchen, die sich am Rande seiner Augen gebildet hatten, deuteten auf eine Veränderung hin. Das Gitarrenspiel wurde immer lauter. Seine Frau saß im Wohnzimmer und übte Akkorde. Mit ihren geflochtenen Zöpfen, den pinkfarbenen Short und den hohen Korksandalen sah sie wesentlich jünger aus, als die vierundvierzig Jahre, die sie bereits hinter sich gebracht hatte. Sie bemerkte ihn, hörte sofort auf zu spielen und sagte ironisch: „Musst du dich so anschleichen, mein Schatz? Du weißt doch dass ich es nicht mag, gestört zu werden, wenn ich ein neues Lied einstudiere. Wie war dein Tag heute?“

Viel Arbeit, wie immer“, erwiderte er. „Deshalb ist es auch etwas später geworden. Bekomme ich heute keinen Kuss?“

Aber klar bekommst du den. Sie legte die Gitarre auf das Sofa, stand auf, umarmte ihn und drückte ihm einen dicken Schmatzer auf die Wange. Sie duftete nach Blumen. Er liebte ihren Duft, liebte sie einfach um ihrer selbst willen. Genauso wie damals, als er sie kennengelernt hatte. Das war bei einer Tanzveranstaltung gewesen. Sie hatte einfach hinreißend ausgesehen, in ihrem schwarz-roten Dress und den klirrenden Metallarmreifen, die sie trug. Immer wieder hatte er sie beobachtet. So wie ein Raubtier seine Beute beobachtete. Wie sie sich bewegte und auf ihren hohen Absätzen gekonnte Pirouetten drehte und dazu mit einem großen, bunten Hut wedelte. Und er hatte sich vorgestellt, dass sie nur für ihn tanzte, mit all ihrer Leidenschaft. Aber mit der Zeit hatte sich alles verändert. Auch er selbst war ein anderer geworden. Er versuchte ihr ein Lächeln zu entlocken, indem er irgendeine alberne Grimasse schnitt, aber sie hatte ihre Aufmerksamkeit bereits wieder auf ihre Gitarre gerichtet und schlug dazu die ersten Akkorde an. Es klang irgendwie nach Stairway to Heaven von Led Zeppelin.

Hört sich toll an“, sagte er und fand, das sein Kommentar irgendwie unecht ausfiel. Sie strahlte ihn an. „Gefällt es dir?“

Ja sehr.“ Wieder eine Lüge. Das Geklimper ging ihm ganz schön auf die Nerven. Er ließ seinen Blick durch das riesige Wohnzimmerfenster auf den Garten gleiten. Dies hier war seine heile Welt, sein trautes Heim. Draußen war Krieg. Es gab so viele Schurken auf der Welt, Menschen, die keine Daseinsberechtigung hatten und noch nicht einmal ihr eigenes Leben schätzten. Er drehte sich wieder zu ihr hin. Sie hatte ihren Blick weiter stur auf die Gitarre gerichtet und versuchte einen besonders schweren Akkord zu greifen. Als er das Wohnzimmer verließ und durch den Flur in die Küche ging, erklang erneut der Refrain von Stairway to Heaven in seine Ohren. Er nahm sich ein Bier aus dem Kühlschrank, trank es im Stehen und dachte daran, wie sein Leben früher war. Es wäre eine Erleichterung zu glauben, er könnte wieder zur Normalität zurückkehren, aber das war nur eine Illusion.

Das Gitarrenspiel verstummte und sogleich stand sie in der Küche.

Ich habe einen Gemüseauflauf mit viel Käse vorbereitet, oder alternativ kannst du auch eine Pizza von Mario haben“, sagte sie augenzwinkernd.

Danke, der Auflauf ist mir lieber. Ich habe vielleicht einen Hunger...“

Prima, er muss nur kurz aufgewärmt werden. Ich räume noch schnell die Gitarre weg und dann geht es sofort los..“

Er fing an den Tisch zu decken, sie kam zurück, schlich sich von hinten an ihn heran und griff ihm herausfordernd zwischen die Beine.

Vorspeise oder Dessert?“, fragte sie frech.

Er rollte mit den Augen. „Auch wenn du dich jetzt hier völlig nackt auf den Tisch legst, ich habe einen Bärenhunger.“

Spielverderber“, erwiderte sie und ging schmollend auf den Herd zu, in dem der Auflauf brutzelte.

Danach aßen sie Überbackenes, tranken Rotwein und redeten über dieses und jenes. Er beklagte sich über die Anhäufung von Überstunden in der letzten Zeit. Sie hörte gehorsam zu und bestätigte ihn in seiner Meinung. Kurz darauf gingen sie zusammen ins Bett und liebten sich. Auch wenn er sie sehr mochte, es war nicht mehr als Routine für ihn. Den ersehnten Kick brachte es ihm schon lange nicht mehr. Den holte er sich jetzt woanders...

 

 

 

Hier kommt der zweite Teil von Kapitel 7. Viel Spaß beim lesen. Gerne nehme ich wieder Eure Anregungen und Kritiken entgegen.

 

Aber Diana hatte keinen Unfall gehabt, und sie war schon gar nicht tot. Sie befand sich ganz hier in der Nähe. Ihr wurde schwindelig, sie rappelte sich jedoch wieder auf und versuchte nicht auf das Getuschel der Passanten zu hören, die stehenblieben, und sie mitleidig anstarrten. Ohne auf den Verkehr zu achten, überquerte sie die Straße. Autofahrer hupten, manche fluchten. Ein Jugendlicher auf einem Motorroller, in den sie beinahe gelaufen wäre, zeigte ihr den Mittelfinger. Plötzlich war jemand an ihrer Seite und berührte ihren Arm. Die blauen Augen einer blonden jungen Frau blickten sie besorgt an.

Was ist denn los mit dir?“, fragte Julia und schob sie sanft zur Seite, um sicherzustellen, dass sie nicht wieder auf die B-51 laufen konnte.

Ich bin nicht verrückt, wenn du das meinst“, sagte Bernadette.

Davon gehe ich aus, aber so wie du davon gerannt bist…, ich habe mir wirklich Sorgen gemacht. Hast du sie wenigstens gefunden?“

Wen?“

Na Diana!““

Also hast du sie auch gesehen?“

Nein, ich habe niemanden gesehen. Ich habe nur mein Bier getrunken und versucht mich mit dir zu unterhalten. Dann bist du plötzlich wie von der Tarantel gestochen aufgesprungen und zur Tür gestürzt, hast Diana geschrien und bist auf die Straße gerannt.“

Und du bist mir gefolgt?“

Das hatte ich zumindest vor, aber du…“

Und warum bist du mir gefolgt?“

Weil Du deine Sachen liegen gelassen und ausgesehen hast, als sei der Leibhaftige hinter dir her gewesen.“

Bernadette zuckte mit den Schultern. „Vielleicht war er es so, oder ich leide schon unter Halluzinationen. Außerdem habe ich einen tierischen Hunger“, entgegnete sie verzweifelt. Sie wusste, dass sie Julia eine Antwort schuldig war.

Deinem Hunger können wir schnell Abhilfe schaffen. Ich kenne ein erstklassiges Lokal ganz hier in der Nähe.“

Bernadette überlegte nicht zweimal. Sie war den ganzen Tag unterwegs gewesen, fühlte sich furchtbar müde und erschöpft. Aber sie hatte Hunger wie ein Pferd.

Also gut, lass uns gehen.“

Kurze Zeit später saßen sie sich im Al Capriccio, nur zwei Häuserblocks entfernt gegenüber. Bernadett hatte sich auf der Damentoilette frisch gemacht und studierte die Speisekarte. Julia beobachtete sie dabei und tat selbst so, als könne sie sich nicht richtig entscheiden.

Und? Hast du was gefunden?“ fragte sie.

Bernadette zuckte mit den Schultern. „Ach, ich weiß nicht genau. Die ganze Aufregung von heute ist mir irgendwie auf den Magen geschlagen. Zuerst hatte ich einen riesigen Kohldampf und jetzt habe ich eigentlich überhaupt keinen Appetit mehr. Was nimmst du denn?“ Sie klappte die Karte zusammen und legte sie beiseite.

Also ich würde ja am liebsten mal wieder Muscheln essen, aber beim letzten Mal, als ich welche gegessen habe, ist mir schlecht geworden.“

Bernadette musste lachen. „Wenn dir davon schlecht wir, warum isst du sie dann immer wieder?“

Weil ich sie liebe. Und jedes Mal denke ich: Heute wird mir davon bestimmt nicht schlecht.“ Sie grinste. „Weißt du, es gibt eben nichts Besseres als frische Muscheln. Dazu einen Salat und einen guten Wein. Apropos Wein. Magst du auch einen?“

Bernadettes Blick signalisierte Zustimmung. Sie studierte die Weinkarte. Da kam auch schon die Kellnerin an ihren Tisch.

Was darf ich Ihnen bringen?“

Okay, ich habe mich gerade selbst überredet. Ich nehme die Muscheln, einen gemischten Salat mit Brot und einen lieblichen Rotwein“, sagte Julia.

Die Kellnerin notierte ihren Wunsch.

Für mich dasselbe, nur ohne die Muscheln“, entschied Bernadette schnell.

Wie? Nur Wein und Salat? Ich kann ihnen die Cannelloni empfehlen“, sagte die Kellnerin.

Bernadette überlegte einen Augenblick.

Also gut, dann nehme ich die.“

Wieder schrieb die Kellnerin etwas auf ihren Zettel.

Mit Hackfleisch oder Ricotta Füllung?“

Ricotta, bitte.“

Prima, ich bin gleich zurück.“ Dabei stellte sie vorab zwei leere Weingläser auf den Tisch.

Eigentlich bin ich nicht gerade scharf auf Cannelloni“, sagte Bernadette, als die Bedienung in Richtung Küche verschwunden war.

Ach was, die sind bestimmt gut. Alles was sie hier servieren ist normalerweise ausgezeichnet.“

Du gehst wohl öfters aus Essen?“ fragte Bernadette. Julia zuckte mit den Achseln. „Naja, ich bin Single.“

Was? Ah, ich verstehe.“

Und wie sieht es bei dir aus?“

Früher schon. Zusammen mit Diana, als sie noch in der Eifel wohnte.“ Sie schluckte. „Oder wenn mich Stefan irgendwohin ausführt.“

Sie lächelte nervös. „Stefan ist mein Ex-Freund, aber wir wohnen noch zusammen. Ist irgendwie `ne komische Geschichte, aber so ganz komme ich nicht von ihm los.“

Julia sah wie Bernadettes Augen feucht wurden und hätte am liebsten etwas passendes gesagt, doch die Kellnerin kam zurück und brachte eine Karaffe mit Wein.

Einen kleinen Moment noch. Die Salate kommen gleich.“ Schon war sie wieder weg. Bernadette sah Julia an. „Bist du dir mit den Muscheln auch wirklich sicher? Was, wenn dir wieder schlecht wird?“ fragte sie. Julia grinste.

Dann verschwinde ich eben schnell auf die Toilette und danach geht es mir wieder gut.“

Bernadette schüttelte den Kopf. „Ich an deiner Stelle wäre da etwas vorsichtiger.“

So wie du, was?“

Bernadette stützte ihren Ellbogen auf den Tisch und blickte Julia noch intensiver an. Ihr Lachen war verschwunden.

Diana macht mir Sorgen. Ich kann einfach nicht begreifen, warum sie so mir nichts dir nichts verschwunden ist.“

Julia wollte etwas erwidern, aber die Kellnerin kam und brachte die Salate.

Entschuldigung, aber in der Küche ist plötzlich der Teufel los. Habe ich noch etwas vergessen?“

Die beiden Frauen schüttelten ihre Köpfe. Die Kellnerin füllte ihre Gläser bis zur Hälfte.

Ich hoffe, der Wein schmeckt Ihnen. Bitte melden Sie sich einfach, wenn Sie etwas benötigen.“ Julia nickte bestätigend und wandte sich wieder Bernadette zu.

Vorhin, als du so down warst, wollte ich dich nur trösten, aber in Wahrheit kommt es mir auch irgendwie seltsam vor, dass in letzter Zeit so viele Personen in Köln verschwinden.“ Sie biss sich auf die Zunge. „Oh, Entschuldigung. Das wollte ich gar nicht sagen. Dumm von mir, das Thema überhaupt anzusprechen.“

Sie saßen eine Weile zusammen, stocherten in ihren Salaten herum, und sprachen kein Wort. Bis…

Julia, ich…“

Ist schon in Ordnung, Bernadette. Du musst wirklich nicht darüber sprechen.“

Aber Diana, ich meine, ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sie draußen auf dem Fühlinger See war....“

Aber was ist mit dem Mantel und der Handtasche, die wir am Seeufer gefunden haben und jetzt soll sie auch noch hier aufgetaucht sein. Mitten in Köln?“

Bernadettes Gesicht wurde zu einer steinernen Maske.

Ich habe sie gesehen!“

Und hat sie dich auch gesehen? Ich meine, hat sie mit dir gesprochen?“

Leider nein. Als ich auf der Straße ankam, war sie bereits in der Menschenmenge verschwunden.“

Bernadette stand ohne Vorwarnung auf und eilte zur Toilette. Als sie wieder kam bemerkte Julia, dass sie geweint hatte. Die Kellnerin kam und stellte lächelnd das Essen auf den Tisch.

Cannelloni und eine Portion Muscheln, wohl bekommt´s“, sagte sie und verschwand.

Bernadette blickte Julia vorsichtig an. „ Guten Appetit“, sagte sie.

Schweigend begannen sie zu essen.

Wie ist deine Pasta?“ erkundigte sich Julia nach einer Weile.

Danke, gut. Der Hunger treibt es hinein!“

Wieder aßen sie schweigend. Schließlich hielt es Bernadette nicht mehr aus.

Es ist nicht so, wie du denkst“, sagte sie nach einer längeren Pause. Ich bin nicht verrückt. Ich habe sie wirklich gesehen.

Ich hab doch gar nichts gedacht!“

Doch, hast du wohl. Du hast gedacht, ich spinne!“

Ach was! Es geht mich ja auch nichts an, verstehst du?“

Bernadette trommelte mit ihren Fingern auf der Tischplatte. „Kannst Du mir nicht erklären, was das alles zu bedeuten hat?“

Julia ließ ihre Frage unbeantwortet und widmete sich den Muscheln. Vorsichtig öffnete sie die schwarze Schale und sog das helle Fleisch in sich ein. Dann nahm sie eine der beiden Muschelhälften, riss sie von der anderen ab und besaß somit eine kleine Schaufel um das weitere Muschelfleisch aus der harten Schale zu entfernen.

Die Muscheln waren hervorragend.

Wir sollten wirklich keine Probleme herbeireden“, sagte sie und prostete Bernadette zu.

Das hat meine Mutter auch immer gesagt. Gott sei ihrer Seele gnädig.“

Bernadette trank einen Schluck Wein und beobachtete Julia dabei, wie sie das Muschelfleisch verschlang.

Julia, ich hoffe, Du weißt was du da tust. Geht es dir gut?“

Sehr gut, Bernadette. Wirklich sehr gut.“ Sie kaute, was das Zeug hielt.

Kann ich Ihnen noch etwas bringen?“ Sonja war wieder aufgetaucht.

Kaffee vielleicht, oder einen Dessert?“

Möchtest Du, Bernadette?“

Sie schüttelte den Kopf. „Für mich nicht mehr, danke.“

Dann bringen Sie uns bitte die Rechnung, Sonja.“

Die Kellnerin notierte rasch, was sie verzehrt hatten und addierte den Betrag.

Julia bezahlte und gab ihr ein kräftiges Trinkgeld.

Vielen Dank. Ich hoffe Sie beehren uns bald wieder“, sagte sie Kellnerin und hielt den beiden Frauen die Tür auf.

Worauf Sie sich verlassen können“, entgegnete Julia und zwinkerte ihr mit einem Auge zu. Noch während sie um den ersten Häuserblock gingen, donnerte es und über den Ausläufern der Stadt zuckten die ersten Blitze. Sie blickten beide zum Himmel und berechneten im Geiste, wann der Regen losbrechen würde.

Hör zu, es tut mir leid“, sagte Julia als sie vor dem Eingang des Petit Colonia standen. „Ich hab mehr Fragen gestellt, als mir zusteht. Es geht mich ja wirklich nichts an.“

Bernadette wollte etwas erwidern und sich von ihr verabschieden, da fiel ihr noch etwas ein.

Er hat sie auch gesehen, er muss sie kennen!“ rief sie mit lauter Stimme. Julia sah sie verwundert an. „Von wem sprichst du überhaupt?“

Na von dem Wirt in der Kneipe! Ich erinnere mich, dass er sie gegrüßt hat.“

Bist du dir da ganz sicher?“

Natürlich. Ich hab es ganz deutlich gesehen.“

Na dann nichts wie hin. Die Kneipe hat sicher noch geöffnet. Fragen wir ihn doch selbst.“ Julia packte sie am Arm und zog sie mit sich.

Manni, der Wirt vom Balthasar war dabei seine Schankstube aufräumen. Er wunderte sich nicht schlecht über die beiden Besucherinnen, die er bereits am frühen Abend schon einmal bedient hatte. Noch mehr war er überrascht, als ihn Bernadette nach der Dame fragte, die sie vor dem Fenster gesehen haben will.

Und dafür seid ihr extra hergekommen“? fragte er verwundert. „Das ist Rita. Sie hilft manchmal hier aus. Hat sie irgendetwas angestellt?“

Nein, das nicht. Aber sind Sie sicher, dass sie Rita heißt und nicht Diana?“

Manni verzog das Gesicht. „Ich kenne sie nur als Rita Schäfer und kann mir beim besten Willen auch keinen Grund vorstellen, warum Sie mir ihren wahren Namen verschwiegen haben sollte. Sicher verwechseln Sie Rita mit einer anderen Person!“

Bernadette war völlig durcheinander. Sie konnte kaum noch an sich halten.

Ich weiß nicht…ich bin mir nicht sicher“, stammelte sie. Julia beobachtete das Häufchen Elend an ihrer Seite. Sie wandte sich an den Wirt: „Hat diese Rita vielleicht eine Adresse, oder hast du eine Idee, wo wir sie finden können?“

Der Wirt zuckte mit den Schultern. „Da müsste ich nachsehen. Ich bin mir sicher, dass ich irgendwo ihre Telefonnummer notiert habe. Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, sie kommt wenigstens einmal pro Woche her und fragt nach, ob sie aushelfen kann.“

Julia schob Bernadette zum Ausgang. Bevor sie ging, wandte sie sich noch einmal an den Wirt: „War ein langer Tag heute, vielen Dank für die Auskunft, Manni. Ich glaube ich bringe meine Begleiterin jetzt lieber ganz schnell zurück zu ihrem Hotel. Ich schau dann in den nächsten Tagen nochmal vorbei.“

Ja, tu das, Julia. Du kennst ja meine Öffnungszeiten. Macht`s gut ihr zwei.“

Manni knipste das Licht aus und Julia brachte Bernadette zurück zum Petit Colonia. Es war schon weit nach halb zwölf, als letztgenannte hinauf auf ihr Zimmer schlich, die Tür öffnete, ihre Schuhe abstreifte, die Handtasche aufs Bett warf, die Zimmertür von innen zusperrte und den Teller mit dem Käsebrötchen auf ihrer Nachtkonsole fand. Sie grinste. „Der gute Willi glaubt wohl, ich hätte immer noch Kohldampf“, murmelte sie zu sich selbst. Dann ging sie ins Bad, zog sich aus, putzte sich die Zähne und kletterte in das fast schon antike Bett. Wieder quietschte der Rahmen.

Gute Nacht, du halber Hahn“, sagte sie zu dem Brötchen, lächelte, drehte sich auf die Seite und schlief sofort ein.

 

 

 

Hallo, Ihr Lieben:

Nach dem unser Bösewicht gestern ordentlich zugeschlagen hat, wollen wir mal sehen, wie es mit Bernadette in Köln weitergeht. Hier kommt der erste Teil des siebten Kapitels. Viel Spaß beim Lesen!

 

 

SIEBTES KAPITEL

 

Als Bernadette ins Petit Colonia zurückkam, war es bereits später Nachmittag. Sie fühlte sich wie gerädert, wollte nur noch eine Kleinigkeit essen und sich dann unter die Dusche stellen. Doch es kam ganz anders. Willi wartete bereits aus sie. Er saß in seinem kleinen Empfangsbereich und blätterte im Kölner-Express.

Da hat ein Herr Niedermeyer für Sie angerufen, Kindchen. Ich soll Ihnen ausrichten, Sie möchten doch bitte ihr verfluchtes Handy einschalten.“ Er zwinkerte ihr mit einem Auge zu. Mehrere Fragen gingen Bernadette gleichzeitig durch den Kopf. „Stefan hat angerufen? Aber wie ist das möglich? Woher weiß er denn überhaupt wo ich bin? Und mein Handy?

Sie griff in ihre Handtasche, nahm das kleine Gerät hervor und wischte über das Display. Das Ding rührte sich nicht. Auweia, sie hatte schlichtweg vergessen den Akku zu laden.

Wird sofort erledigt“, sagte sie zu Willi und bedankte sich dafür, dass er Stefans Nachricht an sie weitergeleitet hatte. Plötzlich knurrte ihr Magen. Willi sah sie an und grinste. Bernadette deute auf ihre Magengegend.

Oh Entschuldigung! Den habe ich auch vergessen aufzuladen.“, sagte sie ironisch. Gibt es hier in der Umgebung ein Restaurant, dass Sie mir empfehlen können?“

Willi starte sie an. Dann blickte er auf seine Armbanduhr.

Das wird schwierig mein Liebchen. Um diese Uhrzeit haben die meisten Lokale noch geschlossen. Ich könnte allerdings mit `nem Halven Hahn weiterhelfen. Den hole ich immer Dienstags wenn Giesela zum putzen kommt.

Na ja, Hühnchen ist besser als nichts“, dachte Bernadette und nickte freudig mit dem Kopf. „Abgemacht“, sagte sie und deutete auf ihr Handy. „Ich geh nur schnell nach oben, steck das Ding hier mit dem Ladekabel in die Steckdose und rufe meinen Bekannten an. Danach komme ich wieder runter und wir essen zusammen ihr Geflügel.“

Geflügel?“ Willi sah sie verwundert an, sagte aber kein Wort. Mit dem Handy in der einen und dem Zimmerschlüssel in der anderen Hand stieg Bernadette die Stufen hinauf und marschierte entschlossen auf ihre Zimmertür zu. Sie musste den Schlüssel mehrfach in dem angerosteten Schloss hin und her bewegen, bis die Tür endlich nachgab und aufsprang. Drinnen warf sie ihre Jacke aufs Bett, schloss das Handy an und legte sich daneben. Der Bettrahmen quietschte und der Apparat summte, als sie Stefans Nummer wählte. Es dauerte einen kleinen Moment, dann hatte sie ihn in der Leitung.

Schön das Du dich auch mal meldest“, murrte er. „Ich versuch schon den ganzen Tag dich zu erreichen.“

Das tut mir wirklich leid, Stefan. Ich hab gerade erst festgestellt, dass mein Handy nicht eingeschaltet war. Und jetzt ist natürlich der blöde Akku leer. Aber sag mal, wie hast Du mich überhaupt gefunden?“

Sein Lachen dröhnte aus dem kleinen Apparat. „War gar nicht so einfach“, sagte er.

Allerdings wusste ich von der Möbelmesse in Köln. Also war mir klar, dass du in den großen Hotels im Zentrum kein Zimmer bekommen würdest. Da habe ich gegoogelt, mich auf die kleineren in den Kölner Außenbezirken konzentriert und einfach begonnen sie systematisch abzuklappern. Auf gut Glück sozusagen.“

Stefan, du bist verrückt. Ich hätte mich heute Abend schon bei dir gemeldet.“.“

Naja, ich wollte halt wissen, wie es dir geht, nur dummerweise stand das Petit-Colonia so ziemlich am Ende auf meiner Liste, aber was soll´s ich habe dich ja gefunden. Und nun erzähl mir mal, ob du etwas über Diana in Erfahrung bringen konntest?“

Er hörte sie seufzen, als sie antwortete: „Nee Stefan, leider nicht. Ich hatte einen total verkorksten Tag heute. Nichts ist so gelaufen, wie ich es mir vorgenommen habe. Stell dir vor, Diana studiert gar nicht mehr an der hiesigen Universität.“

Sie konnte seinen Atem hören. „Was?“ fragte er und es kam ihr so vor, als ob er sie nicht richtig verstanden hätte. „Ich sagte, Diana studiert nicht mehr hier an der Uni. Sie hat schon seit ewigen Zeiten keine Vorlesung besucht und im Studentenwohnheim wohnt sie auch nicht mehr.“

Das gibt es nicht“, tönte es aus ihrem Handy. Dann folgte: „Und was sagt Kommissar Gereon dazu?“

Ach der! Er macht einen auf ratlos und erzählt mir andauernd, dass in einer Großstadt wie Köln täglich Personen verschwinden und dann irgendwann wieder auftauchen. Ist irgendwie ein komischer Kauz. Wahrscheinlich müssen Polizisten so sein. Aber er sieht verdammt gut aus.“

Bernadette! Ich muss mir doch keine Sorgen machen?“ Er hörte wie sie lachte. Es klang sarkastisch. „Sie macht gute Miene zum bösen Spiel“, dachte Stefan.

Nee, mein lieber. Ein Polizist ist jetzt wirklich das letzte, was ich gebrauchen kann. Ich habe Dianas Sachen identifiziert und dann ist mir noch etwas anderes aufgefallen…“

Sie erzählte ihm ausführlich von den Fotos weiterer verschwundener Personen, die sie entdeckt hatte.

Dabei interessieren mich am meisten die aktuellsten Fälle. Ich habe sicherheitshalber eine Aufnahme gemacht.“

Gute Frau! Na dann schick sie mir gleich rüber. Vielleicht kann ich mit den Namen etwas anfangen. Ich checke sie sofort!“ Sein Tonfall wurde ernster. „Sag mal, hast Du das Gefühl, dass zwischen Diana und den verschwundenen Personen auf den Fotos ein Zusammenhang bestehen könnte?“

Bernadette seufzte leise in ihr Smartphone.

Ach Stefan was weiß ich denn? Ich glaube erst einmal gar nichts! Mein Vater hat immer gesagt: Glauben ist etwas für die Pfaffen in der Kirche. Was ich suche sind Informationen, Gerüchte, Verbindungen. Irgendeinen Anhaltspunkt wo ich ansetzen kann. So, und jetzt habe ich genug geschwätzt. Unten beim Hotelier wartet ein halbes Hähnchen auf mich und mein Magen knurrt so laut, dass du es eigentlich bis in die Eifel hören müsstest.“

Alles klar, mein Schatz! Ich will dich auch gar nicht länger aufhalten. Iss erst mal was und dann melde dich später noch mal!“

Das mache ich bestimmt Stefan. Und danke, dass Du für mich da bist. Bis Bald.“

Bis Bald, tönte es noch aus ihrem Handy, dann war die Verbindung beendet. Bernadette überprüfte die Kabelverbindung und legte das Handy angeschlossen auf den Tisch. Danach schnappte sie sich ihre Jacke und ging wieder nach unten. Auf dem Rezeptionstisch stand ein Teller mit einem Roggenbrötchen. Daneben lagen ein Stück Butter und Käse. Von dem guten Willi war keine Spur zu sehen.

Das gibt es doch gar nicht“, murmelte sie. Verspricht mir groß ein halbes Brathähnchen und stellt mir dann einen Teller mit einem Brötchen auf den Tisch. Der hat sie wohl nicht mehr alle. „Willi, Willi sind Sie hier irgendwo?“

Keine Antwort. Der Hotelier war ausgeflogen. Bernadette ließ das Brötchen Brötchen sein und ging auf die Straße. Irgendwo musste es doch zumindest eine Imbissbude oder eine verdammte Kneipe geben.

Eine Ecke weiter hatte sie eine gefunden, saß ganz allein an einem kleinen Tisch und blies Trübsal. Die typische Kölner Kneipe lag unweit der Stadtgrenze zu Leverkusen Schlebusch. Das Licht war schummrig, was irgendwie genau zu ihrer Stimmung passte. Es war verdammt noch mal nicht klug gewesen, alleine nach Köln zu fahren. So etwas kann ich wieder nur bringen. „Nur eine Verrückte begibt sich ohne jegliche Vorbereitung in eine Großstadt.“ Sie dachte noch weiter über ihr Vorgehen nach, als sie von jemandem angesprochen wurde.

Na, was für eine Laus ist Ihnen denn über die Leber gelaufen?““

Die Stimme kam von irgendwo hinter ihr. Bernadette zuckte zusammen und drehte sich abrupt um. Ein Gesicht, das sie schon einmal gesehen hatte, lächelte sie an. Es gehörte der jungen Polizistin, die im Polizeipräsidium am Empfang gestanden hatte.

Wie klein die Welt doch ist, nicht wahr“, sagte sie und nahm einfach an ihrem Tisch Platz.

Bernadette war sprachlos. „

Auch ein Bier? Ich lade Sie ein.“

Bernadette stand eher der Sinn nach etwas Essbarem, aber dennoch willigte sie ein. „E…ein Kölsch vielleicht“, stammelte sie.

Kölsch klingt gut“, sagte die junge Polizistin und hob zwei Finger in die Höhe. Der Wirt verstand sofort was sie meinte und stellte zwei Gläser in die Nähe seines Zapfhahnes. Er beobachtete wie die gelbe Flüssigkeit den Schaum verdrängte, wartete noch einen Moment, bis sich die weiße Haube gebildete hatte, dann kam er zu ihnen herüber und stellte zwei perfekt gezapfte Biere auf ihren Tisch. „Prost, Mädels“, sagte er, bevor er zurück zu seinem Tresen huschte.

Julia Brück“, stellte sich die junge Polizistin vor. „Aber sag einfach Julia zu mir. In einer echt kölschen Kneipe sind wir alle per Du.“

Bernadette nickte nur. „Angenehm, ich bin Bernadette Meyfarth.“ Warum musste sie von den tausend Kneipen, die es in Köln gab, ausgerechnet hier auf die Polizistin treffen? Julia versuchte es indes weiter mit freundlichen Smalltalk.

Die meisten Besucher haben eine völlig falsche Vorstellung von unseren Kneipen“, erklärte sie. „Der Kölner geht nicht zum saufen in die Kneipe.. Es geht ihm vielmehr um Geselligkeit und um soziale Kontakte. Man trifft sich mit Freunden und Bekannten, hält ein Schwätzchen und erfährt die ultimativen Neuigkeiten. Das gilt für Polizisten genauso, wie für zivile Bürger. Kölle hat sich noch immer einen Teil von Menschlichkeit bewahrt.“

Sie blickte Bernadette an. „Lass mich raten, Du kommst aus der Eifel, nicht wahr?“

Julias sympathische Leichtigkeit zeigte Wirkung.

Sieht man mir das an?“ Bernadette lächelte schwach. „Aus Köttelbach, das liegt bei Kelberg in der Vulkaneifel“, fügte sie schnell noch hinzu.

Julia prustete laut los. „Ah, kenne ich. Schöne Landschaft. Ich bin ein paarmal dort gewesen. Die Maare und so weiter…“

Sie machte eine kleine Pause und nippte an ihrem Bier. Es war offensichtlich, dass sie darauf wartete, dass Bernadette etwas sagte. Als sie es nicht tat, erzählte sie weiter: „Ein Schulfreund von mir hat mal dort gewohnt und ab und zu habe ich ihn besucht, Dann bin ich mit dem Motorrad hingefahren. Du weißt schon, über Adenau und den Nürnburgring...“

Bernadette kannte die Strecke. „Du fährst Motorrad?“, fragte sie fasziniert.

Aber klar doch, warum denn nicht? Was die Männer können, kann ich schon lange! Du bist wegen deiner Schwester hier, richtig?“

Bernadette nickte. „Ja, das stimmt. Sie ist verschwunden und dazu hat mir Kommissar Gereon eine merkwürdige Geschichte erzählt.“

Das herrenlose Kanu und die Sachen am Fühlinger See, ich weiß Bescheid. Ich war selbst vor Ort.“

Bernadette blickte Julia mit großen Augen an. „Was denn, Du warst dabei?“, fragte sie.

In der Tat. Ich hatte Spätschicht, verstehst du? Aber mach dir mal keine Sorgen. Das wird schon wieder. Bestimmt taucht deine Schwester bald irgendwo auf.“

Bernadette schenkte ihr ein erleichtertes Lächeln. Sie spürte, dass sie mit Julia auf einer Wellenlänge lag, wollte ihr gerade etwas von Diana erzählen, als ihre Aufmerksamkeit auf etwas gelenkt wurde, was draußen vor der Kneipe stattfand. Aus ihren Augenwinkeln nahm sie wahr, wie sich jemand einem der Fenster näherte. Ein Schatten verdunkelte den Schankraum, eine Frau blieb stehen und winkte dem Wirt zu, was dieser mit einer freundlichen Handbewegung quittierte. Doch so schnell wie der Schatten gekommen war, verschwand er auch wieder.

Da ist sie!,“ keuchte Bernadette und sprang auf. Julia blickte sie erschrocken an.

Ist etwas nicht in Ordnung“, fragte sie besorgt.

Sie ist es...! Diana!“ rief sie laut und lief auf die Tür zu..

Wer?“

Sie bekam keine Antwort. Bernadette öffnete die schwere Kneipentür und war mit einem Satz auf der Straße. „Diana“, brüllte sie und schaute zuerst nach links, dann nach rechts. Kopflos rannte sie los.

Diana, bitte...!“

Sie lief ziellos durch die Menschenmenge und wusste bereits nach wenigen Minuten nicht mehr wo sie war. „Diana“, rief sie wieder in die Menge. Einige Passanten drehten sich um und schauten fragend in ihre Richtung, bevor sie weitergingen. „Diana!“ ihre Rufe wurden lauter. Jetzt stand sie an einer Hauptstraße. Autos rauschten an ihr vorbei. Auf einmal kamen ihr die Worte des Kommissars in den Sinn: „Personen verschwinden manchmal einfach und nehmen sich eine Auszeit. Wir ziehen durchaus in Betracht, dass ihre Schwester einen Unfall erlitten haben könnte.“

 

Frage: Wir brauchen einen Namen für die typische Kölner Kneipe und den Wirt. Im Moment heißt die Kneipe Balthasar und der Wirt Charly. Habt Ihr bessere Vorschläge?

 

 

 

Hier kommt das spannende sechste Kapitel. ( Nicht lektoriert ). Diesmal tritt unser Bösewicht wieder in Erscheinung. Thriller-Fans dürfen sich freuen. Viel Spaß beim Lesen.

 

SECHSTES KAPITEL

Der Mann zog einen Schlüsselbund aus seiner Jackentasche, fingerte nach einem ganz bestimmten Schlüssel, steckte ihn, nachdem er ihn gefunden hatte, in das Sicherheitsschloss und schloss die Tür auf. Die Tür ließ sich leicht öffnen. Das war wichtig für ihn. Gerade wenn neue Gäste kamen oder gehen sollten, was bisher allerdings noch nicht geschehen war. Er stieg eine ausgetretene Steintreppe hinunter und betrat einen schmalen Gang, der ihn zu einer zweiten Tür führte. Diese hatte er, wie einige andere auch, aus besonders hartem Stahl anfertigen lassen. Er musste grinsen, als er an den Schmied dachte, dem er etwas von Türen für Pferdeboxen erzählt hatte, die er komplett erneuern wollte. Die Sicherheitsschlösser hatte er in mühevoller Kleinarbeit selbst eingebaut. Er schloss die zweite Tür auf und stand vor dem Eingang eines kurzen Tunnels, der ihn zu dem eigentlichen Hauptgebäude, einen alten Militärbunker führte. Er liebte dieses alte Gemäuer mit seinen dunklen Gängen und dem Geruch nach Feuchtigkeit und Fäulnis. Bereits in seiner Kindheit hatte er hier gespielt. „Wie viele Soldaten mochten hier Unterschlupf gefunden haben? fragte er sich. Beim Umbau hatte er Patronenhülsen, Kartuschen, sowie alte Militärhelme gefunden. Die hütete er seitdem wie einen geheimen Schatz. Inzwischen war die Anlage völlig in Vergessenheit geraten. Dazu befand sie sich auf seinem eigenen Grund und Boden, denn er hatte das Waldgrundstück vor ein paar Jahren zu einem Spottpreis gekauft. Freigegeben zur Nutzung als Freizeit, -und Erholungsgrundstück. So stand es jedenfalls im Kaufvertrag. Und genau aus diesem Grund war er jetzt hierhergekommen. Um seiner Freizeitbeschäftigung nachzugehen. Er hatte er die alte Anlage nach und nach mit sehr viel Fantasie zu seinem, wie er es nannte „Labyrinth“ umgebaut. Im Einzelnen bestand das System aus verschiedenen Zellen, die durch Türen und Gänge miteinander verbunden waren, wovon die meisten Türen auf Flure führten, die dann schließlich im Nichts endeten, beziehungsweise wieder zurück in den Hauptgang führten, ohne jemals einen Ausgang zu haben. Der befand sich in Wirklichkeit ganz woanders. Die eigentlichen Zellen hatte er im untersten Stockwerk, möglicherweise im ältesten Teil des Bunkers, angelegt. Von jeder Zelle führte eine kleine Leiter hinauf in den zweiten Stock und mittels Stahltür in die unterschiedlichen Flure und Gänge. Eine geniale Konstruktion, denn befand man sich in der Zelle und blickte nach oben, sah es so aus, als würde die Tür direkt in die Freiheit führen. Genau diese kleine Täuschung hatte der Erbauer bewusst eingebaut. Außerdem gab es noch einen Überwachungsraum, von wo aus er das Labyrinth mittels Videokamera überwachen konnte. Er war so etwas wie eine kleine Asservatenkammer, vollgestopft mit Gerätschaften, die er hier und da benötigte. Unter anderem standen hier ein mit diversen Lebensmitteln gefüllter Kühlschrank, sowie eine Schlafcouch, für den Fall, dass er hier einmal übernachten musste. Er hatte wirklich an alles gedacht.

 

Im Gang war es dunkel und modrig, aber er kannte den Weg im Schlaf. Hinter dem Überwachungsraum gab es eine raffinierte Falltür, durch die man direkt in den Zellentrakt gelangte. Der Mann vergewisserte sich, dass alle Kameras einwandfrei liefen, dann zog er sich einen schwarzen Umhang über und setzte die Maske auf. Jetzt konnte er vor seine Gäste treten.

 

 

 

Der Raum, in dem er sie gefangen hielt, war dunkel und kalt. Diana träumte davon in einem Fluss gefangen zu sein. Ihr bleicher Körper wurde in die Tiefe gezogen und als sie flüchten wollte, drückten kräftige Hände sie nieder.

 

Es ist deine Schuld“, sagte der Besitzer der Hände, und als sie aufblickte, sah sie ihn über sich. Der Mann war maskiert und presste eine Hand gegen ihren Kopf. Sie sank tiefer und tiefer und vermochte nicht mehr zu atmen. So wachte sie schweißgebadet auf und hatte keine Ahnung wo sie war. Angekettet, wie ein wildes Tier, zerrte sie so lang an der Metallkette, bis sie sich ihren Knöchel wundgerieben hatte. Sie sackte zurück. Jetzt wurden andere Beschwerden spürbar. Hunger und Durst. Er gab ihr Wasser in einer Art Hundeschüssel, die er vor ihr auf den Boden stellte und beobachtete sie dabei, wie sie sich vorbeugte und trank. Diana wusste nicht, wie lange er sie schon gefangen hielt, glaubte nur zu wissen, dass er sie in einen Kellerraum gesperrt hatte und das auch nur, weil sie seine Schritte von oben hatte herunterkommen hören und wegen der verfluchten Luftfeuchtigkeit, die sie einatmen musste.

 

Na, hast Du dich schon ein bisschen an deine neue Umgebung gewöhnt?“ fragte seine tiefe Stimme. Diana war viel zu durcheinander, um sagen zu können, ob sie die Stimme wirklich kannte oder nicht. Sie blickte in seine Richtung.

 

Bitte, lassen Sie mich gehen. Ich halte es hier nicht mehr länger aus.“

 

Aber sicher wirst du das, Schätzchen. Du musst dich nur noch ein wenig in Geduld üben. Wenn Du schön artig bist, könnte ich mir durchaus vorstellen, deine Prüfung vorzuziehen. “

 

Diana riss und zerrte an der Kette.

 

Bitte lassen Sie mich hier raus. Ich tu auch alles, was Sie von mir verlangen.“

 

Er wollte noch etwas Wasser in die Schüssel gießen, da war sie mit einem Mal bei ihm und versuchte die Maske von seinem Gesicht zu reißen. Doch er hatte mit ihrer Gegenwehr gerechnet.

 

Zurück“, schrie er sie an. Es gab eine plötzliche Bewegung, als sie nicht sofort reagierte. Ihr folgte ein hefiger Schmerz. Diana schrie auf und umklammerte ihren Arm. Ungläubig sah sie das Blut aus einer Wunde rinnen. Es war ihr Blut.

 

Mit weitaufgerissen Augen starrte sie auf seine Hand, die den Schaft eines Jagdmesser festhielt. Die Klinge zeigte direkt auf sie. Oh Gott…

 

Strafe muss sein“, sagte er. Das ist ein Teil der Prüfung.“

 

Lassen sie mich gehen“, schrie sie, obwohl sie wusste, dass sie hier niemand hören würde. Er lachte. Es war ein tiefes, böses Lachen. Sie hatte keine Zeit zu reagieren, als das Messer wieder in sie eindrang. Ein heißes Brennen auf ihrem Arm. Dann wieder Blut. Fassungslos legte sie ihre Hand auf die Wunde.

 

Los, zieh diese lächerliche Corsage aus!“, befahl er.

 

Er will also doch Sex“, ging es ihr durch den Kopf. Sie stand auf und zog an den Schnüren. Ihn ihrem Kopf drehte sich alles. Sie schwankte, fiel aber nicht hin. Das heftige Atmen des Mannes dröhnte wie Donner in ihren Ohren. Anscheinend ging ihm das alles nicht schnell genug. Er streckte wieder das Messer aus. „Oh Gott…nein…“

 

Mit einer schnellen Bewegung durchtrennte es die Schnüre ihrer Corsage. Das Kleidungsstück fiel auf den Boden. Reflexartig schnellten Dianas Arme vor ihre Brust. Der Arm mit der Schnittwunde brannte teuflisch. Jetzt schlug das Messer mit der flachen Seite auf ihre Arme. Automatisch glitten sie nach unten und gaben den Blick auf ihre wohlgeformten Brüste frei. Einen momentlang geschah nichts. Ihr Peiniger schien sie nur anzustarren. Dann hob er wieder das Messer.

 

Nein, bitte nicht“, winselte Diana und verfluchte sich selbst weil ihre Stimme so schwach und ängstlich klang. Statt eine Antwort zu geben, streckte er langsam eine Hand aus und tat so, als wollte er ihre Brust berühren. Sie zitterte und konnte nur mit Mühe einen Schrei unterdrücken. Ohne nachzudenken schlug sie seine Hand weg. Nichts geschah. Es herrschte eine lähmende Stille. Dann schlug er zu. Seine Hand traf ihr Gesicht, so dass sie gegen die Wand knallte und zu Boden rutschte. Sie landete neben dem Diktiergerät, welches sie bisher noch nicht angerührt hatte. Ein Blick auf das kleine Display zeigte ihm, dass sich das Band noch ganz am Anfang befand.

 

So geht das aber nicht, ich glaube, deine Prüfung muss noch etwas warten“, sagte er mit rauer Stimme. Danach ging er nach oben. Sie bekam noch mit, wie er die Tür von außen verschloss, bevor sie allmählich in eine Lethargie aus Angst und Schmerzen verfiel. Sie hämmerte mit ihren Fäusten auf den Boden und weinte, bis sie ihre Kräfte verließen.

 

Der Mann kontrollierte mithilfe der Kameras in seinem Überwachungsraum die Zellen der weiteren Insassen, bevor er sich an seine Hauptarbeit machte. Für einen seiner männlichen Gäste war es an der Zeit eine Prüfung zu bestehen. Aus diesem Grund hatte er ganz bestimmte Vorbereitungen getroffen: Gleich zu Anfang hatte er seinem Opfer eine Totfangfalle um den Hals gelegt. Der Mann hatte laut geschrien und Gift und Galle gespuckt, als er aus der Betäubung erwachte, aber genützt hatte es ihm nichts. Er hatte ihm die Besonderheit der Falle erklärt. Sie war an einen Zeitmesser gekoppelt und besaß eine elektronische Vorrichtung, mit der sie per Knopfdruck ausgelöst werden konnte. Dafür hatte er sich extra einen leistungsfähigen Generator besorgt und um die elektrische Spannungsversorgung über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten zu können. So wie bei anderen Opfer zuvor, hatte er auch diesen Mann mittels Fußfessel an die Wand gekettet. Ansonsten konnte er sich in einem gewissen Radius frei bewegen, soweit das in einer kleinen Zelle eben möglich war. Er hatte ihn jedoch ausdrücklich davor gewarnt, die Falle zu berühren, da sie im gegenteiligen Falle automatisch zuschnappen,- und ihm die Kehle durchtrennen würde.

 

Lange hatte der Mann darüber nachgedacht, was dieser Wahnsinnige von ihm wollte. Er hatte sogar das Band besprochen, auch wenn er nicht wirklich verstand, wozu das Ganze gut sein sollte. Aber egal, er wollte alles tun, um möglichst schnell hier raus zu kommen. Dabei musste er verdammt vorsichtig vorgehen, denn eine falsche Bewegung…, das hatte ihm der Verrückte klar gemacht, …und seine Kehle wäre nur noch Matsche und in zwei Teile getrennt. So eine verdammte Dummheit aber auch, dass ich mich mit der Kleinen eingelassen habe! Und doch war es die geilste Nacht meines Lebens gewesen.“ Angefangen hatte alles bei einem dieser grauenhaften Empfänge der Anwaltskammer: Offenes Buffet mit Prosecco und Überraschungstorte, wobei letztgenannter am Ende eine Tänzerin entsprang, die mit heftigen Bewegungen in Windeseile ihre Kleidung ablegte. Den Zweck und Sinn jener Veranstaltung hatte eigentlich niemand genau nachvollziehen können, jedoch hatte er gut gegessen und noch mehr getrunken. Danach war er mit seinen Kollegen auf einen Absacker in ein nettes Lokal gegangen, das, wie sich bald herausstellte, ein pikanter Nachtclub war, der seinen Geschmack genau getroffen hatte. Hier begann er sich erst richtig gut zu amüsiert. Eine Flasche Champagner wechselte die andere, und dann waren da die Mädchen gewesen. Er hatte ein Gespräch mit einem der besonders jungen, -und nur spärlich bekleideten Dinger angefangen. Auf die schien er mächtigen Eindruck gemacht zu haben. Eigentlich wollte sie Sängerin werden, gestand sie ihm. Als sich dann seine Kollegen aufmachten, um noch einen anderen Club aufzusuchen, hatte sich die Kleine einfach bei ihm untergehakt und ihn aufgefordert mit ihr zu gehen. So etwas war ihm seit langem nicht mehr passiert. Er erinnerte sich nicht mehr genau daran, worüber sie sich so lange unterhalten hatten. Er wusste nur noch, wie sie einfach da gesessen, -und ihn angesehen hatte. Mit ihrem mädchenhaften Körper, der in roter Reizwäsche und Schuhen mit hohen Keilabsätzen steckte, die in der Höhe scheinbar nicht enden wollten, hatte sie ihn fast um den Verstand gebracht. In seiner Ehe war längst tote Hose. Außerdem hätte seine Frau so etwas niemals angezogen. Sie stammte aus einem erzkonservativen Elternhaus und wurde bereits rot, wenn sie einen ausgezogenen Tisch sah. Allerdings hatte sie Geld. Viel Geld sogar, das er liebend gern für die schönen Dinge des Lebens ausgab. Das Mädchen hatte sich an ihn geschmiegt und ihm die Arme um den Hals gelegt. Da hatte er gewusst, dass sie mit ihm schlafen wollte. Fast spürte er es immer noch, dieses Verlangen, dass ihn so heftig ergriffen hatte, als er zum ersten Mal ihre Brüste berührte. Wie klein und fest sie doch gewesen waren, während sich ihr heißer Körper an ihn gedrückt hatte. Danach taten sie Dinge, die er sich vorher noch nicht einmal hatte vorstellen können. Es war der besondere Kick für ihn gewesen, und hatte ihn schier aus der Bahn geworfen. Wie ein Besessener hatte er immer wieder in sie hineingestoßen, doch wohl kaum konnte er als Liebhaber einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Schließlich war es ihm nur um sein Vergnügen gegangen. Und trotzdem hatte sie sich wieder mit ihm getroffen. An ihr Alter hatte er niemals gedacht. Ganz im Gegenteil. Er konnte sich mittlerweile gut vorstellen, verheiratet zu bleiben und mit dem Mädchen eine lange Affäre zu haben. Das erschien ihm eine fast schon salomonische Lösung. Vielleicht würde er sie sogar mit auf eine Reise nehmen. Eventuell in den Süden. In einem knappen Bikini musste sie einfach atemberaubend aussehen. Angesichts dieser Erwartungen verblasste alles andere in seinem Leben. Er später fand er heraus, dass die Kleine erst fünfzehn war. Und auf einmal gab es für ihn sehr viel zu verlieren. Im Grunde genommen all das, was er sich bisher aufgebaut hatte. Und trotzdem wollte er nicht auf die Kleine verzichten. Sie hatten sich noch ein paar Mal in einem kleinen Hotel getroffen und jedes Mal war es etwas Besonderes für ihn gewesen. Doch dann war auf einmal dieser Typ vor dem Hotel aufgetaucht und hatte ihn nach dem Weg gefragt. An mehr konnte er sich nicht mehr erinnern. Nur das er mit diesem komischen Ding um den Hals hier in diesem Verlies aufgewacht war. „Und nun diese Prüfung. Was soll eigentlich der Quatsch? Naja, wenn es hilft um hier wieder heraus zu kommen… dann werde ich diesem Verrückten halt den Gefallen tun.“

 

W…was soll denn dieser lächerliche Käfig?“ fragte er und sah die Silhouette ungläubig an, die gerade in seine Zelle getreten war. Wie immer trug der Unbekannte eine Maske und einen schwarzen Umhang.

 

Der ist ein wesentlicher Bestandteil deiner Prüfung“, sagte eine eiskalte Stimme.

 

Du verteidigst die schlimmsten Kriminellen und lässt dich auch noch dafür bezahlen. Dabei handelst du mit der Staatsanwaltschaft zweifelhafte Deals aus und lässt die Kriminellen mit einer winzigen Strafe davonkommen. Du verführst minderjährige Mädchen und glaubst als Anwalt über alles erhaben zu sein. Doch jetzt stehst du vor deinem Richter. Wir wollen doch Mal sehen, wie viel dir dein Leben bedeutet und was du bereit bist dafür zu tun, um es zu verlängern? Ich werde dir jetzt für einen Moment die Hände fesseln und dir diesen Käfig über den Kopf stülpen. Du siehst diese kleine Tür hier? Daran befestige ich ein Vorhängeschloss. Der passende Schlüssel dazu steckt in einem Bund mit 50 weiteren Schlüsseln. Du hast genau drei Minuten Zeit, um ihn zu finden, die kleine Tür aufzuschließen und dich von der Falle zu befreien. Nach Ablauf der drei Minuten schnappt der Sicherungsmechanismus zu und du kannst dir sicher vorstellen, was dann passiert?“ Aus den Augen des Mannes trat das Weiße hervor. Er zitterte am ganzen Leib. Der Typ war nicht nur pervers sondern auch noch ein Sadist. Er versuchte sich zu wehren, riss und zerrte an der Kette, aber letztendlich hatte er keine Chance. Er spürte, wie Handschellen klickten und ihm die Hände festhielten. Fassungslos ließ er geschehen, was geschah. Drei Minuten blieben ihm noch. Alle möglichen Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Nur drei Minuten.

Welcher dieser verdammten Schlüssel ist der richtige?“

Auf einmal spürte er, wie der Verrückte die Handschellen aufschloss. Es war soweit, die menschliche Uhr tickte...

 

Frage: Ihr dürft gerne raten, ob der Gefangene den Schlüssel noch rechtzeitig findet und die Prüfung besteht...

Die Auflösung erfolgt in Kapitel 8. Ansonsten freue ich mich wie immer über Eure Kritiken und Anregungen.

 

 

 

 

 

Hallo, liebe Fb-Freunde: Hier kommt der nicht lektorierte zweite Teil des Fünften Kapitels. Viel Spaß beim Lesen!

 

 

 

 

Zunächst glaubte Bernadette, der Schilderwald würde sie verwirren, aber sie fand die Universitätsverwaltung auf Anhieb. Sie befand sich im Untergeschoß des Hauptgebäudes. Die Eingangstür eines der Büros stand weit offen. In dem Raum saßen zwei Angestellte und tippten irgendetwas in ihre Computer ein. Bernadette räusperte sich. Eine der Damen blickte zu ihr auf. Bernadette nahm all ihren Mut zusammen.

 

Entschuldigen Sie bitte, dass ich hier einfach so hereinspaziert komme. Ich bin auf der Suche nach meiner Schwester und wollte mich nur erkundigen, für welches Semester sie sich eingeschrieben hat.“

 

Die Angestellte deutete auf die große Uhr, die über der Eingangstür hing. Bernadette, die von draußen hereingekommen war, hatte sie noch nicht gesehen. Die Zeiger standen auf 13.00 Uhr.

 

Normalerweise haben wir nur an den Vormittagen geöffnet“, sagte die Dame und ihre Stimme klang missmutig. „Aber jetzt, wo Sie sich schon einmal hier sind, wie heißt denn ihre Schwester?“

 

Diana Meyfarth.“

 

Einen Moment bitte. Ich schau gleich nach.“ Sie bearbeitete ihren Computer, zögerte, spielte mit einer Haarsträhne und wandte sich dann wieder an Bernadette.

 

Ich sehe hier tatsächlich einen Eintrag. Eine Diana Meyfarth ist bei uns registriert, allerdings ohne jemals an einer Prüfung teilgenommen zu haben. Ein wenig seltsam ist das schon. Möglicherweise hat sie ihr Studium abgebrochen...“

 

Bernadette war entsetzt. „Aber sie hat mir doch immer…“

 

Tut mir leid. Das ist alles, was der Computer hergibt. Mehr kann ich nicht für Sie tun. Falls Sie noch weitere Auskünfte wünschen, müssen Sie zu den öffentlichen Zeiten wiederkommen.“

 

Sprach es und schenkte wieder ihre ganze Aufmerksamkeit ihrem Computer. Bernadette bedankte sich und verließ den Raum. Sie war ratlos und enttäuscht. Diana hat ihr Studium an den Nagel gehängt. Was zum Teufel soll das nun wieder bedeuten? In einem unserer letzten Telefonate hat sie sich noch über die schweren Klausuren beklagt. Dann macht es auch keinen Sinn, wenn ich weitere Studenten nach ihr befrage. Diana ist nicht mehr an der Uni. Aus und fertig. Damit muss ich mich wohl oder übel abfinden.“

 

Blieb noch Kommissar Gereon. Nach den mageren Ergebnissen, die Bernadette bisher gesammelt hatte, kam der Begegnung mit ihm eine ganz besondere Bedeutung zu. Außerdem war es an der Zeit, dass die Polizei endlich etwas tat. Diana schien wie vom Erdboden verschwunden zu sein. Handeln war angesagt, bloß wie?! Als die unerschütterliche Bernadette Meyfarth, ja genauso wollte sie auftreten. Warum bloß gelang es ihr nicht diese verdammte Nervosität in den Griff zu bekommen? Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend stieg sie in ihren Wagen und fuhr in Richtung Innenstadt.

 

 

 

Das Polizeipräsidium in Köln sah anders aus, als wie sie es sich vorgestellt hatte. Sie hatte angenommen, dass der Polizeiapparat in einem historischen Prachtbau untergebracht sein würde. So etwas wie das alte Bankgebäude, mit seinen kunstvoll gemeißelten Pfeilern, die den Platz zweier Ladenfronten auf dem Marktplatz einnahmen, doch dem war nicht so. Die Kriminalhauptstelle befand sich in einem hypermodernen Gebäudekomplex, dessen Mittelbau über einen gläsernen Sockel mit Panoramafenster verfügte. Darüber streckten sich vier Vollgeschosse in die Höhe und mündeten in ein leicht geneigtes und deutlich über die Fassade reichendes Flachdach. Seitlich begrenzt wurde der Bau von der Barcelona-Straße und der Geschwister-Katz- Straße sowie rückwärtig vom Walter-Pauli-Ring. Der mit einer Sicherheitsschleuse versehene Eingang im erhöht liegenden Erdgeschoss war über eine Freitreppe zu erreichen. Auch wenn dieser Komplex den Charme historischer Gebäude vermissen ließ, so war er dennoch ziemlich beeindruckend. Um Schaulustige fernzuhalten und Platz für die Einsatzfahrzeuge zu schaffen, hatte man einen Bereich von gut dreißig Metern in beide Richtungen abgesperrt. Bernadette sah die Einsatzfahrzeuge der Polizei und etwa noch mal so viele Zivilfahrzeuge. Sie parkte den Fiat 500 in der zweiten Reihe und stieg die Treppenstufen zum Eingang des mit Steinplatten verkleideten Gebäudes hinauf. Der Empfang befand sich auf der rechten Seite. In dem gläsernen Kasten saß ein Mann mittleren Alters hinter einem großen Pult und begrüßte sie mit einem freundlichen Lächeln. „Kann ich etwas für Sie tun?“ fragte er. Bernadette versuchte selbstbewusst aufzutreten. Sie lächelte kurz zurück.

 

Ich möchte zu Kommissar Gereon“, sagte sie betimmt.

 

Dürfte ich Ihren Namen wissen?“

 

Bernadette Meyfarth.“

 

Sind Sie angemeldet?“

 

Nein, aber der Kommissar weiß, wer ich bin.“

 

Prima, dann werde ich schnell nachfragen, ob er da ist. Wenn Sie sich in der Zwischenzeit bitte hier eintragen wollen.“ Er reichte ihr eine Liste auf der bereits mehrere Namen standen. Bernadette fügte den ihren hinzu und beobachtete, wie der Mann telefonierte. Nachdem er aufgelegt hatte, nickte er ihr freundlich zu.

 

Sie können hinaufgehen. Der Kommissar erwartet Sie in seinem Büro. Kennen Sie sich aus?“

 

Bernadette schüttelte den Kopf. „Nein, sagte sie leise.

 

Dritter Stock, zweites Büro auf der rechten Seite“, erwiderte der Mann immer noch freundlich. „Der Aufzug befindet sich gleich da vorne.“ Er deutete in die entsprechende Richtung. Bernadette bedankte sich und machte sich auf den Weg zum Aufzug. Im Gang an der Wand hing eine Pinnwand. Eine junge Polizistin war gerade dabei Fotos aufzuhängen. Bernadette sah genauer hin. Unter den Fotos standen irgendwelche Namen und Daten. Daneben hing ein Plakat mit fünf kleineren Fotos. Darüber stand ein Wort in großen, schwarzen Buchstaben geschrieben: Vermisst. Bernadette schauderte.

 

Also gibt es noch mehr Personen, die vermisst werden“, dachte sie, als sie in den Aufzug stieg. Während dieser nach oben fuhr, versuchte sie ihre Nervosität unter Kontrolle zu kriegen, hatte sie doch gehört, wie Polizisten reagierten, wenn man nicht sicher genug auftrat. Sie fand das Büro des Kommissars ohne Probleme. Die Tür stand offen. Trotzdem klopfte sie vorsichtig an.

 

Kommissar Gereon?“ fragte sie mit sanfter Stimme. Der Mann hinter dem großen Schreibtisch blickte zu ihr hin und lächelte. Er war etwa fünfzig. Sein dunkles Haar wurde langsam grau und sein Gesicht war fein geschnitten. Über einem wohlgeformten Mund trug er einen kleinen Oberlippenbart.

 

Er sieht verdammt gut aus“, entschied sie auf der Stelle, auch wenn sie den Ausdruck seiner Augen nicht richtig deuten konnte, und ihr sein Lächeln ein wenig zu professionell vorkam.

 

Genau der bin ich, junge Dame. Was kann ich für Sie tun?“

 

Mein Name ist Bernadette Meyfarth, ich komme wegen meiner Schwester..., Sie erinnern sich sicher...“

 

Sein Lächeln wurde ein Tick schmaler.

 

Ah, Frau Meyfarth. Das nenne ich eine Überraschung.“

 

Seine Hand deutete auf einen der freien Besucherstühle, die an der Wand standen. „Bitte treten Sie ein, in mein bescheidenes Büro und nehmen Sie Platz. Möchten Sie etwas trinken?“ Er griff automatisch zum Telefon.

 

Danke nein“, erwiderte Bernadette kurz angebunden. „Ich möchte lieber gleich zur Sache kommen. Sie wissen warum ich hier bin!“

 

Gereon schaute in ihre Augen, dann senkte er seinen Blick. „Sicher weiß ich das! Ich fürchte nur, ich kann Ihnen nicht weiterhelfen. Es gibt keine neuen Erkenntnisse bezüglich dem Verschwinden ihrer Schwester. Aber das hätte ich Ihnen auch am Telefon sagen können. Dafür mussten Sie sich nicht extra her bemühen.“

 

Aber meine Schwester verschwindet doch nicht einfach so!“

 

Ach nein? Und wo bitte schön steckt sie dann?“

 

Bernadette bemerkte, wie sie wütend wurde. „Das herauszufinden ist doch Ihre Aufgabe, oder etwa nicht?“

 

Gereon tat gelassen. „Hören Sie, hier bei uns gehen fast täglich Vermisstenanzeigen ein und die meisten tauchend dann später irgendwann wieder auf. Manche gönnen sich einfach eine Auszeit, wenn Sie verstehen, was ich meine.“

 

Wie bitte?“ Bernadette empfand seine Antwort als blanken Hohn. Sie bemerkte wie ihre Hände zitterten. Sie legte sie in ihren Schoß und presste die Schenkel zusammen. „Und wenn ihr etwas zugestoßen ist?“

 

Gereon sagte erst einmal nichts, sondern sah sie nur an. Fast kam es ihr so vor, als wollte er sie mit seinem Blick durchlöchern. Ihr fröstelte.

 

Naja“, sagte er schließlich. „Die Möglichkeit, dass ihre Schwester einen Unfall hatte, ziehen wir durchaus in Betracht. Ich habe einen Taucher an die Stelle geschickt, wo das Kanu zuerst gesichtet wurde, aber da war sie nicht. Danach hat ein Kollege telefonisch alle Krankenhäuser der Stadt abgeklappert. Auch nichts. Es gibt keine Leiche und keinen Hinweis darauf, wo sie abgeblieben sein könnte. Das einzige was wir haben, sind die Aussagen eines Passanten, ein Kanu, einen Mantel sowie die Handtasche ihrer Schwester mit ein paar persönlichen Gegenständen. Sehen Sie selbst, die Sachen gehören doch ihrer Schwester, nicht wahr?“

 

Er bückte sich und nahm etwas aus der untersten Schublade seines Schreibtischs hervor. Bernadette erkannte sofort was es war: Dianas Handtasche und ihr Ausweis mit ihrer Geldbörse. Alles war ordentlich in separaten Plastikbeuteln verpackt. Und da war auch ihr Mantel, den sie immer so gerne trug.

 

Mein Gott, das sind wirklich ihre Sachen“, dachte Bernadette.“

 

Gereon bemerkte ihren fragenden Blick und versuchte versuchte ein paar tröstende Worte zu finden. „Sehen Sie, manchmal sind es gerade die Menschen, die uns am nächsten stehen, die wir am wenigsten kennen“, sagte er.

 

Bernadette dachte kurz über seine Worte nach. Darin steckte eine Menge Wahrheit, das ließ sich nicht leugnen Bis vor kurzem hatte sie noch fest daran geglaubt, Diana würde in Köln studieren, doch ihr Besuch in der Universitätsverwaltung, hatte sie eines Besseren belehrt und Gereon legte noch einen drauf.

 

Haben Sie einmal daran gedacht, dass ihre Schwester überhaupt nicht mit Ihnen in Kontakt treten möchte?“

 

Das saß! Bernadette schenkte ihm einen frustrierten Gesichtsausdruck. „Das kann und will ich mir gar nicht vorstellen. Sicher, wir waren nicht immer einer Meinung, aber…“

 

Sehen Sie, genau das wollte ich sagen. Wenn ihr etwas zugestoßen wäre, wo sind dann die Blutspuren, und wo ist ihre Leiche? Wir haben keinerlei Kampfspuren gefunden. Es tut mir sehr leid, aber im Moment können wir nicht mehr tun als abwarten. Warten darauf, dass sie sich meldet oder irgendwo wieder auftaucht.“

 

Das war deutlich genug. Gereon wollte nichts unternehmen. Erst jetzt fielen Bernadette die Fotos wieder ein, die unten im Foyer an der Wand hingen. Sie alle zeigten Personen, die irgendjemandem als vermisst gemeldet hatte. Da war es wieder, dieses schreckliche Wort vermisst. Sie schluckte ihren Ärger hinunter.

 

Herr Kommissar, ich habe unten im Foyer die Fotos gesehen. Meine Schwester ist also nicht die einzige Person, die in Köln verschwunden ist?“

 

Gereon zuckte mit den Achseln. „Das sagte ich doch bereits. Jeden Tag gehen bei uns Vermisstenanzeigen ein und die Personen tauchen dann irgendwann und irgendwo wieder auf. Natürlich gehen wir jeder einzelnen Sache nach und selbstverständlich legen wir auch für jede Person eine eigene Akte an.“

 

Gilt das auch für meine Schwester?“

 

Selbstverständlich! Wir haben ihre Daten im Computer gespeichert.“

 

Aber Sie wollen nichts unternehmen?“

 

Gereon wurde ungeduldig. „Doch, verdammt noch mal! Liefern Sie mir Beweise dafür, dass ihrer Schwester wirklich etwas zugestoßen ist und ich schwöre Ihnen, ich setzte diesen ganzen verflixten Polizeiapparat in Bewegung, um die Angelegenheit aufzuklären.“

 

Also gut“, sagte Bernadette und erhob sich von ihrem Stuhl. Sie wusste, dass sie ihre Chance vertan hatte.

 

Ich werde Sie beim Wort nehmen, Herr Kommissar. Ich bin fest entschlossen, meine Schwester zu finden.“

 

Sein Mundwinkel verschob sich nach unten. „Na dann viel Glück. Ich bewundere ihre Ausdauer. Nur bezweifele ich, dass sie Ihnen in diesem Fall nützen wird. Schließlich arbeite ich ja nicht erst seit gestern bei der Polizei…

 

Ich werde Sie auf dem laufenden halten“, erwiderte Bernadette cool. Sie versuchte sich nach außen hin emotionslos zu geben. Innerlich jedoch machte sich eine tiefe Verzweiflung in ihr breit, während sie sich von Kommissar Gereon verabschiedete und aus dem Zimmer ging. Sie war keinen Schritt weitergekommen. Missmutig stieg sie in den Aufzug und fuhr nach unten. Eigentlich wollte sie schnurstracks bis zum Ausgang marschieren, doch etwas zog sie magisch zu der Pinnwand mit den Fotos hin. Irgendetwas war ihr aufgefallen, ganz tief in ihrem Unterbewusstsein. Sie sah sich die Fotos genauer an. Bei den abgebildeten Personen handelte es sich ausschließlich um Frauen. Und die angegebenen Daten bezogen sich auf einen Zeitraum, der bereits längere Zeit zurück lag. Die Fotos auf dem Plakat jedoch zeigten Personen unterschiedlichen Alters und Geschlechts. Und die Daten darunter waren brandaktuell. Das war es, was sie stutzig gemacht hatte. Hastig nahm sie ihr Handy zur Hand und schoss schnell ein Foto. Möglicherweise konnte man damit etwas anfangen. Der Mann am Empfang plauderte mit der jungen Polizistin, die vorhin die Fotos an der Pinnwand befestigt hatte. Beide grüßten freundlich, als Bernadette an ihnen vorbeikam und durch die Ausgangstür nach draußen ging.

 

 

 

 

 

Frage 1: In diesem Kapitel habe ich das Polizeipräsidium recht ausführlich beschrieben. Zu ausführlich? Dann schickt mir bitte eine kürzere Fassung.

 

 

 

Frage 2: Der Fiat 500 von Bernadette benötigt dringend einen Kosenamen!!!

 

 

 

 Das fünfte Kapitel ist wieder etwas länger. Hier kommt der erste Teil.

 

 

FÜNFTES KAPITEL

 

Am nächsten Tag fuhr Bernadette nach Köln. Es dauerte beinahe eine Ewigkeit, bis sie das Zentrum der Stadt erreichte. Unzählige Baustellen auf der Autobahn machten ein zügiges Vorankommen unmöglich. Überall wurde vergrößert, erweitert und ausgebaut, was das Zeug hielt. Erst nach dem Autobahnkreuz Köln-Ost lief der Verkehr ein wenig flüssiger. Sie bog in die Kanalstraße ein und sah den Dom vor sich.

 

Köln hat wirklich ein ganz eigenes Flair“, dachte sie. Plötzlich fiel ihr ein, dass sie bei all der Aufregung um ihre Schwester ganz vergessen hatte, für sich ein Hotelzimmer zu reservieren und in Deutz war gerade Möbelmesse.

 

Na dann Mahlzeit, Bernadette. Das hast du ja wieder prima hinbekommen“, rügte sie sich selbst. „Die großen Hotels kann ich getrost vergessen, aber wo bekomme ich jetzt ein freies Zimmer her, verdammt noch mal?“

 

Sie fuhr langsam weiter und überlegte rechts ranzufahren und mit ihrem Smartphone auf Airbnb ein Zimmer zu suchen, aber hinter ihr hupte bereits jemand, weil sie nicht schneller fuhr. „So viel zu den freundlichen Kölnern.“

 

Vor dem Hauptbahnhof sah sie einen Taxistand. „Das ist es. Die Taxifahrer müssten doch eigentlich wissen, wo in der Stadt noch eine Unterkunft zu bekommen ist!“

 

Sie hielt auf dem Taxistreifen, ließ das Seitenfenster herunter und rief dem erst besten Fahrer etwas zu.

 

Hier kannst du aber nicht stehen bleiben, Liebchen“, bekam sie als Antwort. Bernadette spürte, wie sie rot wurde. „Nur ganz kurz bitte! Ich bin auf der Suche nach einem freien Hotelzimmer.“

 

Der Mann sah sie an. Seine Augen signalisierten Mitleid. „Auweia, das sieht aber gar nicht gut für dich aus. Im Moment findet in Deutz die Möbelmesse statt. Da geht hier im Zentrum überhaupt nichts. Aber warte mal, nicht verzagen, Jupp fragen! Ich ruf `nen Kollege an. Der ist in Nippes unterwegs. Vielleicht hat der eine Idee.“

 

Aber in Nippes war auch nichts zu bekommen, doch zehn Minuten später hatte jemand für sie ein freies Zimmer im Stadtteil Dünnwald gefunden. Hastig notierte sie sich die Adresse und bedankte sich bei dem Taxifahrer für dessen Hilfe.

 

Die Kölner haben ihr Herz also doch am rechten Fleck“, dachte Bernadette, gab die Adresse in ihr Navi ein, setzte den Blinker und kurvte mit ihrem Wagen einmal rund um den Dom herum. Danach leitete sie das Navi Stadtauswärts Richtung Mühlheim und Dünnwald.

 

Das Hotel mit dem freien Zimmer hieß Petit Colonia und lag in der Nähe des Stadtwaldes. Es war ein unscheinbares Gebäude aus den 50er Jahren, welches seine besten Zeiten schon lange hinter sich hatte. Bernadette parkte ihren Stadtflitzer auf dem Seitenstreifen, stieg aus und ging nach hinten um die Heckklappe zu öffnen und ihr Gepäck herauszuholen. Doch ein älterer Herr kam ihr entgegen. Er trug eine Baskenmütze.

 

Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?“ fragte er mit freundlicher Stimme.

 

Oh ja bitte, das wäre sehr freundlich von Ihnen, vielen Dank. Gehören Sie zum Hotel?“

 

Genau so ist es, mein Fräulein. Wenn Sie gestatten, ich bin der Willi. Mir gehört dieses Traumschloß.“

 

Er schnappte sich ihren Koffer und trug ihn ins Hotel. Bernadette folgte ihm, nur bewaffnet mit ihrer Handtasche. Darin befanden sich ihre Schminksachen, ihr Handy, und vorsichtshalber eine Sprühdose mit Pfefferspray zur Selbstverteidigung. Das erste, was ihr beim Betreten des Hotels auffiel, war eine alte Standuhr. Sie stand im Flur und war nicht zu übersehen. Bernadette blieb davor stehen und bewunderte die Rarität.

 

Die habe ich von meinem Großvater geerbt“, erklärte Willi nicht ganz ohne Stolz. Die Rezeption befand sich im Hochparterre. Willi stellte den Koffer ab und zwängte seinen fülligen Leib hinter einen abgenutzten Empfangstisch.

 

Ich hoffe, Sie haben noch ein freies Zimmer für mich,“ sagte Bernadette ein wenig besorgt.

 

Äwer secher dat! Junge Damen sind bei mir stets herzlich willkommen.“ Er lachte und fügte schnell hinzu: „Nein, aber im Ernst, heutzutage bin ich nur noch sehr selten ausgebucht. Die großen Hotels in der Innenstadt machen mir sehr zu schaffen. Na Sie wissen schon …“

 

Natürlich wusste Bernadette was er meinte. Und mehr noch, als sie das Zimmer sah. Es war winzig und vollgestellt mit alten Möbeln. Wahrscheinlich stammten sie noch aus der Jugendzeit des Besitzers. Das Doppelbett war ohne Kopfteil. Der Schrank: Zweitürig, schräg, schäbig. Die Kommode mit Spiegelaufsatz: wackelig, eine Schublade fehlte. Desweiteren gab es: Zwei kleine Nachttische, einen rechteckigen Tisch, sowie zwei Stühle. Alles abgenutzt, wackelnd und aus dem gleichen hässlichen Nussbaumimitat gefertigt. Das ganze erbärmliche Bild des Raumes rundete eine Blümchentapete aus den 70er Jahren ab. Sie bestand im Wesentlichen aus den Farben Grün und Braun. Mit einem Seufzer ließ sich Bernadette auf das Bett fallen. „Na wenigstens scheint die Matratze in Ordnung zu sein und die Bettwäsche ist sauber“, dachte sie.

 

Passt Ihnen das Zimmer?“, fragte Willi ein wenig besorgt.

 

Bernadette zuckte zusammen. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass Willi zurückgekommen war. In der rechten Hand trug er ihren Koffer.

 

J..ja, dd…doch“, stammelte sie.

 

Prima. Dann müssen Sie nur noch das Meldeformular ausfüllen. Ordnung muss schließlich sein.“

 

Wieder lachte er und stellte den Koffer mit einer Kraft auf den Boden, die sie ihm niemals zugetraut hätte. Dann schien ihm noch etwas einzufallen. „Wie lange wollen Sie eigentlich bleiben?“, fragte er.

 

Wenn ich das wüsste?“, dachte Bernadette, sagte aber: „Vielleicht eine Woche.“

 

Sie wusste, dass spätestens dann die Möbelmesse in Deutz zu Ende war und sie mit Leichtigkeit ein anderes Hotelzimmer finden würde. Das heißt, für den Fall, dass sie bis dahin immer noch nichts von Diana gehört hatte.

 

Apropos...es kann ja nicht schaden, wenn ich ihm ein Foto von ihr zeige. Immerhin lebt Willi seit ewigen Zeiten hier in Köln und die Welt kann manchmal so verdammt klein sein.“ Sie griff in ihre Handtasche, zog ein Foto heraus, auf welchem sie zusammen mit ihrer Schwester zu sehen war, hielt es ihm hin und deutete auf die junge Dame an ihrer Seite.

 

Das ist meine Schwester Diana. Ich bin auf der Suche nach ihr. Sie kennen sie nicht zufällig?“

 

Willi griff nach dem Foto und warf einen Blick darauf. „Schönes Mädchen“, sagte er anerkennend. „Ein bisschen jünger als sie, was?“

 

Acht Jahre.“

 

Und sie soll hier in Köln sein?“

 

Ja, sie studiert an der Uni. Kommt sie Ihnen vielleicht bekannt vor?“

 

Willi schüttelte den Kopf. „Ich wünschte es wäre so, aber leider nein. Ich kenne sie nicht. Aber das will überhaupt nichts heißen, wo Köln doch so verdammt groß ist. Worum suchen Sie eigentlich nach ihr?“

 

Bernadette hatte keine Lust ihm die Einzelheiten zu erzählen. „Sagen wir einfach, weil ich seit längerer Zeit nichts von ihr gehört habe“, antwortete sie postwendend.

 

Ach so, jetzt versteh ich. Unstimmigkeiten unter Geschwistern sollen ja häufiger vorkomme als man denkt. Übrigens gehen die meiste Studenten zum Abfeiern in die Altstadt. Vielleich sollten Sie dort einmal nachfragen.“

 

Prima Idee, das werde ich tun. Vielen Dank für den Tipp. Soll ich Ihnen die Woche im Voraus bezahlen oder lieber jeden Tag einzeln?“

 

Das können Sie halten wie Sie wollen junge Dame, Hauptsache ich bekomme mein Geld. Das Zimmer kostet 20 Euro die Nacht.“ Er wandte sich zum gehen, blieb aber auf der Türschwelle noch einmal stehen und sah sie an.

 

Also dann genießen Sie ihren Aufenthalt im schönen Kölle“, sagte er bevor er hinaus auf den Flur trat. Drinnen sah sich Bernadette das Zimmer genauer an. „Naja, mehr als 20 Euro die Nacht ist diese Kammer auch wirklich nicht wert!“

 

Die Einrichtung war ihr so ziemlich egal. Hauptsache, es gab ein sauberes Bett und ein eigenes Bad. Sie bugsierte ihren Koffer vor das Bett und fing an auszupacken. Die Türen des alten Kleiderschranks waren verzogen und ließen sich nur schwer öffnen. Drinnen roch es muffig nach altem Holz. Sie überlegte, so viele Kleidungsstücke wie möglich auf die wenigen Bügel zu verteilen, die in dem alten Schrank hingen, verwarf den Gedanken aber schnell und legte stattdessen das, was sie benötigte, auf die Matratze neben sich. „Was zum Teufel tue ich eigentlich hier?“ fragte sie sich, während sie einen Blick in den Spiegel oberhalb der kleinen Kommode warf und feststellte, dass sie abgespannt aussah. Schnell ging sie ins Bad. Das Waschbecken war winzig, die Wände mit hellgrünen Kacheln gefliest. Sie drehte den Wasserhahn auf und wusch sich die Hände. Danach überprüfte sie ihr Make-up, ging zurück in ihr Zimmer und schob ihren Koffer unter den Holztisch, weil er ihr woanders im Weg war. Danach stellte sie die beiden Stühle davor, schnappte sich Jacke und Handtasche und ging hinaus.

 

Willi war gerade dabei ihre Anmeldung in einen Ordner zu heften. Er grüßte sie freundlich, sie erwiderte seinen Gruß, ging nach unten, stieg in ihren roten Flitzer und fuhr los.

 

Keine dreiviertel Stunde später stand sie vor einem alten Stadthaus im Kölner Ortsteil Lindenthal, welches den Studenten als Wohnheim diente. Während sie das Gebäude in Augenschein nahm und plötzlich spürte, wie sich ein Anfall von Nervosität in ihr breit machen wollte, trat ein Mann in einem blauen Overall aus dem Schatten des Eingangs, griff nach zwei Mülltonen, die seitlich davon aufgestellt waren und schob sie an die Straße.

 

Der Hausmeister!“ kam es ihr in den Sinn. Sie holte tief Luft und ging auf ihn zu, noch bevor er wieder in dem Hauseingang verschwinden konnte.

 

Hallo, hören Sie. Kann ich Sie bitte einen Moment sprechen?“

 

Der Mann drehte sich um und sah sie verdutzt an.

 

Was gibt es denn, junge Dame. Ich habe meine Zeit nicht gestohlen!“

 

Noch so ein freundlicher Kölner“, dachte Bernadette und spürte plötzlich den berühmten Kloß in ihrem Hals sitzen. So nah war sie ihrer Schwester schon lange nicht mehr gewesen.

 

Bitte entschuldigen Sie. Sie sind doch hier der Hausmeister, nicht wahr? Ich bin auf der Suche nach meiner Schwester Diana. Sie soll hier wohnen. Wenn Sie so freundlich wären und sich einmal dieses Foto hier anschauen würden. Ich bin mir sicher, sie kommt Ihnen bekannt vor.“

 

Die fleischige Hand des Hausmeisters griff nach dem Foto. Er betrachtete es eine Weile, dann schüttelte er mit dem Kopf. „Ich kann nicht behaupten, dass ich sie kenne“, sagte er bestimmt. Bernadette rutschte das Herz in die Hose.

 

Sind Sie sich da ganz sicher?“, fragte sie ungläubig. „Sie ist Studentin hier an der Uni! Sie müssen sie doch schon einmal gesehen haben.“

 

Die Uni liegt am Albertus-Magnus-Platz. Das ist noch ein gutes Stück von hier entfernt, junge Dame. Und wenn ich Ihnen sage, dass ich das Mädel auf dem Foto nicht kenne, dann kenne ich es auch nicht! Schließlich gibt es hier hunderte von Studenten und ihre Schwester kann genauso gut auch woanders wohnen.“

 

Sofort schossen Bernadette Tränen in die Augen.

 

Herr Kowalski…“, flötete eine schrille Stimme hinter ihr. Eine stämmige junge Frau hatte den Hausmeister gesichtet und befand sich im Begriff, den armen Mann in Beschlag zu nehmen. Mit einer eindeutigen Geste deutete sie auf ein Apartment zu ihrer Rechten und zog ihn entschlossen mit sich. Bernadette stand allein auf der Straße und fühlte sich einsam und verlassen. Wie in aller Welt sollte sie so Diana finden?

 

Einige junge Leute zogen lachend an ihr vorbei. Es waren Studenten.

 

E…einen Moment bitte.“ Bernadette reagierte beinahe panisch. Wild mit den Armen gestikulierend hielt sie ihnen das Foto ihrer Schwester entgegen.

 

Bitte! Nur einen kurzen Moment. Ich suche meine Schwester. Haben Sie sie vielleicht schon mal gesehen?“

 

Die jungen Leute sahen sich an. Ihre Blicke waren eindeutig. Was wollte diese Verrückte von ihnen? Sie schüttelten ihre Köpfen, lachten und gingen weiter. Ein junger Mann drehte sich nochmals um und rief ihr etwas zu.

 

Versuchen Sie es doch bei der Universitätsverwaltung. Dort sind alle Studenten registriert. Wenn ihre Schwester hier studiert, dann muss sie dort eingetragen sein.“

 

Gute Idee!“ Bernadette ging zurück zu ihrem Wagen, setzte sich hinter das Lenkrad und fuhr noch ein gutes Stück die Universitätsstraße hinunter. Am Ende bog sie rechts ab. Den Uni-Campus am Albertus-Magnus-Platz konnte sie gar nicht verfehlen. Es war der größte Gebäudekomplex weit du breit. Sie parkte ihren Wagen auf dem Parkplatz, löste einen Parkschein für eine halbe Stunde und betrat das Unigelände. Hier begab sie sich auf ein völlig unbekanntes Terrain.

 

 

 

  1. Frage: Bernadette fährt nach Köln. Welches Auto passt zu ihr? (Marke, Farbe, Kosename )

 

       2. Frage: Gefällt Euch der Name „Willi“ für einen Hotelier?

 

 

 

 

 

 Liebe Fb-Freunde:

 

 

Ihr habt abgestimmt und der Kommissar behält den Namen Gereon. Heute präsentiere ich Euch das vierte Kapitel unseres Mitmachkrimis. Diesmal erscheint Dianas Schwester Bernadette auf der Bildfläche. Gerne nehme ich wieder Eure Vorschläge und Anmerkungen entgegen. Natürlich handelt es sich auch hier um eine nicht lektorierte Rohfassung! Viel Spaß beim Lesen.

 

 

 

VIERTES KAPITEL

 

Wie so oft erwachte Bernadette Meyfarth kurz vor Sonnenaufgang. Sie liebte es, das perlenfarbige Licht am Horizont von ihrem Bett aus beobachten zu können, noch ehe es zu einem rötlich-gelben Streifen herangewachsen war. Dieser Moment stellte für sie eine Art Ritual dar, bot er ihr doch die nötige Ruhe um nachzudenken und sich auf den neuen Tag einzustellen. Bis spät in die Nacht hinein, hatte sie mit ihrem Lebensgefährten Stefan Niedermeyer zusammengesessen, Wein getrunken und einen Artikel überarbeitet, den er in Kürze veröffentlichen wollte. Dabei hatte Stefan zu viel getrunken und war einfach auf dem bequemen Sofa im Wohnzimmer eingeschlafen. Bernadette hatte noch nicht einmal halb so viel getrunken wie er, trotzdem fühlte sie sich schlapp und abgespannt. Sie versuchte aufzustehen, spürte jedoch eine aufkommende Verkrampfung ihrer Muskeln in den Beinen und im Rücken. Sie fluchte, schaffte es aber dann doch im zweiten Anlauf aufzustehen. Ihr Blick streifte das Familienfoto, welches auf ihrer Kommode stand. Sie fühlte eine innere Leere aufkommen, die sofort von ihr Besitz ergreifen wollte. Seit dem Tod ihrer Eltern war ihre Schwester Diana die einzige Familienangehörige, die sie noch besaß.

 

Apropos Diana, ich muss mich unbedingt mal wieder bei ihr melden! Ist schon eine ganze Weile her, seit ich etwas von ihr gehört habe. Bevor sie nach Köln an die Uni gegangen ist, haben wir fast jede freie Minute miteinander verbracht. Wie ich diese Zeit vermisse! Zeitweilig konnte Stefan die Lücke schließen, die ihre Schwester hinterlassen hatte, aber mit der Beziehung zu ihm stand es mal wieder nicht zum Besten. Sie nahm sich vor Diana gleich nach dem Duschen anzurufen, schnappte sich ihren Morgenmantel und ging ins Bad. Die Wechseldusche erweckte ihre Lebensgeister. Danach zog sie sich an und ging die Treppe hinunter, um die Tageszeitung zu holen. Dabei kam sie an ihrem Wohnzimmer vorbei. Die Tür stand offen. Stefan lag zusammengekauert auf dem Sofa und schnarchte friedlich vor sich hin. Bernadette verdrehte die Augen, holte die Zeitung rein und ging in die Küche. Dort stellte sie routinemäßig die Espressomaschine an und beobachtete, wie die braune Brühe in ihre Tasse floss. Vom Wohnzimmer aus drang Stefans Schnarchen zu ihr herüber, sie nahm die Tasse, setzte sie sich an den Küchentisch und las die Überschrift der Tageszeitung. „GROßEINSATZ DER POLIZEI AM FÜHLINGER SEE FÜHRTE ZU NICHTS“,stand da in großen Lettern geschrieben. Bernadette beugte sich vor, um den Artikel genauer lesen zu können. Dabei stieß sie mit dem Ellenbogen gegen ihre Kaffeetasse. Die braune Flüssigkeit schwappte auf den Tisch. Hastig sprang sie auf und griff nach einem Stück Zewa. Dabei fiel ihr Blick auf das Schnurlose Telefon, welches auf ihrem Kühlschrank stand.

 

Verdammt, Diana! Beinahe hätte ich schon wieder vergessen dich anzurufen! Jetzt aber... Sie schnappte sich den Aparat, wählte Dianas Nummer und fing gleich an freudig drauf los zu plappern, bis sie bemerkte, dass die weibliche Stimme, die zu ihr sprach von einem Band kam. „Hier spricht der automatische Anrufbeantworter von Diana Meyfarth. Leider können Sie im Moment keine Nachricht hinterlassen. Das Band ist voll. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal“ Klick, das war`s.

 

Hm, komisch“, dachte Bernadette. „Wie kann denn das Band ihres Anrufbeantworters vollgesprochen sein? Normalerweise hört Diana den AB regelmäßig ab, und ruft dann auch sofort zurück. „Sie wird doch nicht krank geworden sein? Also gut, dann versuche ich es eben später noch einmal.“

 

Ein vertrautes Geräusch drang in ihre Ohren. „Stefans tiefgezogener und rasselnder Atem hörte sich an wie das Grunzen eines größeren Tieres. Als nächstes vernahm Bernadette ein abruptes Stottern und ein Stöhnen. Im Wohnzimmer gähnte und reckte sich Stefan, stand dann auf und trottete in die Küche.

 

Guten Morgen, Bernie. Ich habe vielleicht einen dicken Schädel!“

 

Bernadette schaute ihn böse an. Sie hasste es, wenn sie Bernie genannt wurde und fuhr ihn an: „Kein Wunder, so viel wie du getrunken hast!“

 

Ach nun sei doch nicht so! Kann doch mal vorkommen. Wie spät ist es überhaupt?“

 

Bernadette schaute zur Küchenuhr. „Gleich halb acht.“

 

Ach, doch noch so früh? Ehrlich gesagt, mir hat es wesentlich besser gefallen, als wir zwei noch in einem Bett geschlafen habe. Da sind wir niemals vor halb zehn aus den Federn gekommen.“

 

Ja, lange ist es her. Da waren wir auch noch frisch verliebt.“

 

Stefans Miene wurde ernst. Kommentarlos ging er ins Badezimmer. Bernadette schüttelte den Kopf und drückte abermals den Startknopf der Espressomaschine. Sie griff nach einer weiteren Kaffeetasse, da klingelte das Telefon. Was für eine Gedankenübertragung“, dachte sie, ließ die Kaffeetasse stehen und schnappte sich stattdessen das kleine Telefon.

 

Bist du das Schwesterherz?“

 

Sie war es nicht.

 

Spreche ich mit Bernadette Meyfarth?“ fragte eine weibliche Stimme, die sie nicht kannte.

 

Ja, wieso?“, antwortete Bernadette.

 

Einen Moment bitte, ich verbinde.“

 

Hoffentlich ist das nicht schon wieder einer dieser Telefonfuzzies, die mir irgendeinen neuen Tarif andrehen wollen?“, dachte Bernadette.

 

Am anderen Ende der Leitung wurde wieder gesprochen. „Hier spricht Kommissar Gereon aus Köln. Sind Sie die Schwester von Diana Meyfahrt?“

 

Bernadette zuckte zusammen. Automatisch ließ sie sich auf den Küchenstuhl fallen.

 

Ja, die bin ich“, antwortete sie vorsichtig. „Um was geht es denn? Ist etwas mit Diana nicht in Ordnung?“

 

Nun, das wissen wir noch nicht genau, aber wir machen uns Sorgen um sie. Wir glauben, ihre Schwester hatte möglicherweise einen Unfall.“

 

Bernadette erstarrte. „Wie bitte, einen Unfall? Wollen Sie mir bitte sagen, was genau passiert ist!“ Woher haben Sie überhaupt meine Telefonnummer?“

 

Das sind aber gleich zwei Fragen auf einmal, junge Dame. Aber ich will sie gerne beantworten. Ihre Telefonnummer hat mir ein Kollegen aus Daun gegeben. Ich habe ihn angerufen, weil wir eine Verbindung zwischen Ihnen und einer eigenartigen Geschichte herstellen konnten.“

 

Was denn für eine eigenartige Geschichte?“ fragte Bernadette und spürte, wie sie immer nervöser wurde.

 

Einen Moment Geduld bitte, Frau Meyfarth, ich bin ja dabei Ihnen alles zu erzählen, aber immer schön der Reihe nach. Also zunächst ist bei uns die Medlung eingegangen, dass ein Kanu herrenlos und kopfüber auf dem Fühlinger Sees treiben würde. Das allein wäre sicher noch kein Grund zur Beunruhigung oder für irgendwelche Aktivitäten meinerseits, aber dazu kommt, dass wir bei der genaueren Durchsuchung des Geländes ein Kleidungsstück und eine Handtasche mit Papieren gefunden haben. Darunter befindet sich ein Personalausweis, ausgestellt auf den Namen Diana Meyfarth, was mich nun zu ihrer Schwester, beziehungsweise auch zu Ihnen bringt. Ihre Schwester heißt doch Diana Meyfarth, nicht wahr?“

 

J…ja das schon, aber…ich verstehe nicht ganz. Wo sagten Sie, haben sie die Sachen gefunden?“

 

Das habe ich noch gar nicht erzählt. Sie lagen an einem Baumstumpf, ganz in der Nähe des Seeufers.“

 

Und meine Schwester?“ fragte Bernadett. Ihr Gesicht war leichenblass geworden.

 

Wir suchen nach ihr!“

 

Hoffnung keimte in ihr auf. „Gott sei Dank. Das bedeutet, dass sie noch lebt.“

 

Das wissen wir leider nicht genau. In der Nacht herrschte ein starker Wind.“

 

Bernadette fühlte wie ihr Herz einen Sprung tat. Ganz langsam löste sich ihre Schockstarre. „Und um wie viel Uhr soll das gewesen sein?“

 

So gegen 22 Uhr.“

 

Ach was, Herr Kommissar. Das gibt es doch gar nicht. Meine Schwester rudert doch nicht so einfach auf den Fühlinger See hinaus, und dann noch zu so später Stunde. Sind Sie sich wirklich sicher, dass die Sachen meiner Schwester gehören?“

 

Der Ausweis in jedem Fall. Er ist auf eine Diana Meyfahrt ausgestellt, geboren in Daun/Eifel und da kommen wohl nicht allzu viele Personen in Frage, oder?“

 

Wahrscheinlich nicht.“

 

Sagen Sie, wäre es möglich, dass ihre Schwester in ernsthaften Schwierigkeiten war?“

 

Bernadettes linke Hand umfasste die kleine Espressotasse. Ihre Hand zitterte.

 

Wollen Sie damit sagen, dass Sie glauben, meine Schwester hätte...? Das ist doch völlig absurd.“

 

Frau Meyfarth, Sie halten es also nicht für wahrscheinlich, dass sich ihre Schwester etwas angetan haben könnte?“

 

Diana? Ach du liebe Güte. Nein, niemals. Das ist völlig ausgeschlossen! So etwas würde sie niemals tun. Dafür liebt sie das Leben viel zu sehr.“ Bernadettes Stimme klang jetzt wütend und aufgeregt zu gleich.

 

Kann ich sonst noch etwas für Sie tun, Herr Kommissar?“

 

Im Moment nicht, vielen Dank Frau Meyfahrt.“ Er wollte sich gerade verabschieden, als ihm doch noch etwas einfiel.

 

Einen Moment noch. Dürfte ich wohl wissen, wann Sie das letzte Mal mit ihrer Schwester Kontakt hatten?“

 

Bernadette musste nicht lange überlegte. „Das war etwa vor einem Monat“, antwortete sie rasch. „Aber gerade vorhin wollte ich sie anrufen, doch da war nur ihr AB dran und das Band war voll.“

 

Hm…und Sie können sich auch nicht vorstellen, wo sie sich aufhalten könnte?“

 

Leider nein.“

 

Ok, wir werden an der Sache dran bleiben und Sie auf dem Laufenden halten.“

 

Ich bitte da drum“, erwiderte Bernadette und legte auf. Danach blieb sie eine Zeitlang regungslos an ihrem Küchentisch sitzen. Erst langsam wurde ihr klar, was der Kommissar ihr da erzählt hatte.

 

Sie war so sehr mit ihren Gedanken beschäftigt, dass sie gar nicht bemerkte, wie Stefan frisch geduscht und vollständig angezogen in die Küche kam.

 

Mein Gott, was ist denn mit dir passiert?“, fragte er. Als sie nicht direkt antwortete fragte er weiter. „Ist dir nicht gut Liebes? Du bist ja ganz blaß im Gesicht.“

 

D…Diana“, stotterte sie. Die Polizei hat angerufen. Sie ist verschwunden. Möglicherweise ist ihr etwas passiert.“

 

Hä? Ich verstehe nur Bahnhof. Da geht man kurz unter die Dusche und bei der Rückkehr findet man dich wie ein Häufchen Elend vor. Kannst du mich bitte aufklären?“

 

Und Bernadette erzählte ihm, was der Kommissar am Telefon gesagt hatte. „Wie hieß der denn noch gleich? Gregor oder Georg?“ Verdammt, sie hatte vergessen sich den Namen zu merken. „Gereon!“ Das war es. Stefan konnte nicht glauben, was er zu hören bekam.„Was sagst du da? Diana soll mit einem Kanu hinaus auf den Fühlinger See gefahren sein, und das bei Nacht? Ich habe noch nie davon gehört, dass sie rudern geht.“

 

Ich auch nicht!“ Bernadette zuckte mit den Achseln.

 

Das ist es ja, was ich nicht verstehe. Diana macht sich überhaupt nichts aus Wassersport. Sie liebt Volleyball und Tennis, aber Kanufahren? Nie und nimmer. Aber anscheinend hat die Kölner Polizei ihre Papiere gefunden. Das hat mir jedenfalls dieser Kommissar erzählt.“

 

Hm…was für eine seltsame Geschichte, aber vielleicht gibt es dafür eine plausible Erklärung.“ Stefan nippte an seinem Espresso, der schon fast kalt war.

 

So, glaubst du? Aber da ist noch etwas. Noch vor dem Anruf des Kommissars habe ich versucht Diana telefonisch zu erreichen. Ihr AB lief, aber das Ding war voll. Ich konnte nicht einmal eine Nachricht hinterlassen.“

 

Stefan sah seine Lebensgefährtin ungläubig an. Er wusste, dass Bernadette für gewisse Dinge einen siebten Sinn besaß. Deshalb zweifelte er auch nicht an ihren Worten.

 

Es gibt nur eine Möglichkeit herauszufinden, was dahinter steckt“, sagte er schließlich und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Nimm dir ein paar Tage frei und fahr nach Köln. Sicher gibt es für alles eine Erklärung. In der Zwischenzeit halte ich hier die Stellung. Das ist kein Problem. Ich muss sowieso noch an dem Artikel für dieses Heimatblatt arbeiten. Du weißt schon, der Weinpanscherskandal, der gestohlene Trecker von Bauer Aumann, die goldene Hochzeit von Irene und Wolfgang und ganz, ganz wichtig, die zunehmenden Beschwerden über zu lautes Rasenmähen an den Wochenenden.“ Er grinste und versuchte sie ein wenig aufzuheitern.

 

Danke, das ist lieb von dir, Stefan.“ Bernadette formte ihre Lippen zu einem Kussmund. „Wenn du willst, kannst du so nett sein!“

 

Im Grunde genommen, war sie froh darüber, dass er so schnell für sie entschieden hatte. Diana war nun einmal die einzige Familienangehörige, die sie noch hatte. Sie würde nach ihr suchen, koste es, was es wolle.

 

 

P.S. Der Name Stefan Niedermeyer muss nicht so bleiben. Falls Ihr Euren eigenen Namen hier lesen wollt, oder einen besseren Vorschlag habt, immer her damit....traut Euch!

 

 

 

 Heute habe ich noch ein weiteres komplettes nicht lektoriertes Kapitel für Euch. Dabei kommen die Thriller Fans wieder auf ihre Kosten....Viel Spaß beim Lesen. Gerne nehme ich wieder Eure Anregungen und Änderungswünsche entgegen.

 

                                                                                    Mitmachkrimi "ABWEGE"

                                                                                           DRITTES KAPITEL

 Als Diana erwachte, lag sie auf dem Boden in einem kleinen, abgedunkelten Raum. Sie hatte keine Ahnung, ob es Tag war oder Nacht. Ängstlich schaute sie sich um. Sie benötigte erst einmal ein paar Minuten, um ihre Umgebung zu erfassen. Plötzlich begriff sie, was geschehen war: Jemand hatte sie entführt. Das allein klang bereits unglaublich genug. Sie spürte wie Ihr Puls raste. Dazu hatte sie einen unbeschreiblichen Durst. Ihre Kehle fühlte sich wie ausgetrocknet an. Sie bewegte ihre Arme und Beine und versuchte aufzustehen. Etwas hielt sie zurück. Sie tastete sich ab. Um ihren Knöchel lag eine metallene Fessel. Sie versuchte ihre Dimension zu erkunden. „Ungefähr zwei Handflächen breit“, schätzte sie. Als sie weiter hinter sich griff, bemerkte sie, dass daran eine schwere Kette befestigt war.

Angekettet wie ein Tier hat man mich“, schoss er ihr durch den Kopf. Sie zerrte und zog an der Kette. Nichts passierte. Als nächstes rollte sie sich wie eine Schnecke in einer Ecke zusammen, aber auch das half ihr nicht wirklich. Sie war in diesem Loch gefangen. Mit einem Mal schrie sie laut auf und lauschte. Doch das, was sie hörte, war nur ihr eigenes Echo. Und sie wurde wütend. Mit geballten Fäusten schlug sie auf den harten Fußboden. Das nützte auch nichts. Ihre Hände schmerzten. Sie legte sich wieder auf den Boden und wimmerte. Die Erinnerung baute sich langsam auf, wie ein Puzzle, das sich nach und nach zusammenfügte. Sie war auf dieser Party gewesen…, und dann früher gegangen, weil sie noch ein Stück zu Fuß gehen wollte. Da waren die Autos, ihr Handy, das nicht funktionierte, das Funkloch... Auf einmal fiel ihr alles wieder ein. Bis zu dem Moment, als sie endlich eine Verbindung bekam und telefonieren wollte. Ab da war völliger Filmriss. So sehr sie sich auch konzentrieren wollte, es kam nichts mehr. Verzweifelt zerrte sie so lange an der Kette, bis sie erschöpft zusammen brach.

Als sie sich wieder aufrappelte, schien bereits eine Ewigkeit vergangen zu sein. Zum ersten Mal schaute sie sich ihr Gefängnis genauer an. Der weitgehend leere Raum sah aus wie eine schäbige Gefängniszelle, nur unwesentlich größer, als ein Taubenschlag. Fenster gab es keine, dafür einen winzigen Schacht, aus dem ein geringer Lichtspalt und etwas Luft zu ihr hineingelangten. An einem Ende führte eine Holzleiter steil nach oben. Dahinter musste sich eine Tür befinden. Sehnsüchtig blickte sie nach oben.

Auf einmal zuckte sie zusammen. War da nicht etwas gewesen? Ein Geräusch?

Der Klang von Schritten ließ sie zusammenzucken. Sie wollte unter die Leiter kriechen, aber es gelang ihr nur zum Teil. Die Metallfessel störte gewaltig. Ein Schlüssel wurde umgedreht, dann vernahm sie wieder Schritte und sah, wie ein Paar schwarze Stiefel die Treppe hinunter stiegen. Der Mann, es konnte nur ein Mann sein, trug eine Tasche sowie eine Lampe bei sich und fand sie auf der Stelle. Das Licht, dass ihr ins Gesicht schien, war viel zu hell. Ihre Augen brannten. Sie blinzelte einmal, zweimal, aber es wurde nicht besser. Also hielt sie sich schützend ihre Hand vor ihr Gesicht.

Na, endlich ausgeschlafen?“, fragte eine emotionslose Stimme hinter dem Licht.

Sie kam ihr irgendwie bekannt vor. In ihrem Zustand vermochte sie jedoch nicht erinnern, zu wem sie gehörte.

Durst“, krächzte sie. Wie von Zauberhand wurde ihr eine Plastikflasche an den Mund gesetzt. Gierig ließ sie das köstliche Nass in ihre Kehle laufen. Diese war so geschwollen und trocken, dass es beim Schlucken weh tat. Überhaupt schien ihr Körper überall zu schmerzen und ihr war schwindelig. Ihr Kopf dröhnte wie ein Kraftwerk.

Das Schwein muss mir ein Betäubungsmittel verabreicht haben, aber immerhin lebe ich noch!“

W…was wollen Sie von mir?“, fragte sie ängstlich. Anstelle einer Antwort trat ein dunkler Schatten auf sie zu. Sie wischte sich die Augen. Die Stiefel traten noch näher an sie heran. Der Mann stand jetzt direkt vor ihr und blickte auf sie herab. Erschrocken fuhr sie zurück und schlug mit dem Rücken gegen eine Wand. Ein klirrendes Geräusch ertönte und erinnerte sie daran, was ihr Bein festhielt. Zitternd versuchte sie sich über ihre Situation klar zu werden. Der Geruch in ihrem Verlies war schlecht, aber sie konnte ihn nicht zuordnen. Sie fühlte sich eingeengt und merkte, dass sie keine Luft bekam. Sie wollte um Hilfe rufen, doch ihr Mund schien wie der Rest ihres Körpers überhaupt nicht auf ihre Befehle zu reagieren. Der Mann bemerkte ihr Bemühen.

Versuch es erst gar nicht. Hier kann dich niemand hören“, sagte er kalt. Erst jetzt versuchte sie sich ihn genauer anzuschauen. Was sie zu sehen bekam war eine schwarze Hose, ein schwarzes Hemd und ein Gesicht, das von einer schwarzen Maske verdeckt wurde. Feigling, dachte sie, fragte aber nochmals: „Was wollen sie von mir…?“

Das wirst du noch früh genug erfahren. Hier, ich habe dir eine Decke mitgebracht, damit du nicht auf dem kalten Boden liegen musst.“

Sie sind ja rührend um mich besorgt“, konterte sie ironisch. „Wenn es Geld ist, das Sie von mir wollen, ich geb ihnen alles was ich habe, wirklich.“

Sie hörte wie er höhnisch lachte. „Geld interessiert mich schon lange nicht mehr Diana. Ich darf dich doch Diana nennen?“

Das Schwein kennt meinen Namen. Woher? Hatte ich schon einmal mit ihm zu tun? Zählt er gar zu meinen Kunden?“

Sie nickte schwach, während sie sich an der rauen Wand abstützte und einmal mehr spürte, wie der Metallring in ihren Knöchel schnitt. Aber sie durfte nicht aufgeben. Wenigstens noch nicht. Mit der freien Hand vor den Augen versuchte sie gegen das grelle Licht der Taschenlampe zu blinzeln. Sie bemerkte, dass ihr Entführer einfach da stand und sie beobachtete.

Bitte….“ Ihre Stimme war ein trockenes krächzen, dass sie selbst kaum wiedererkannte. Sie schluckte.

Warum tun sie mir das an? Wenn es Sex ist, was Sie wollen? Nun darüber können wir reden. Es lässt sich doch alles arrangieren.“

Seine Stimme änderte sich sofort.

Nun hör endlich auf zu winseln, du billige Nutte. Ich hab absolut kein körperliches Interesse an dir. Am besten, du gewöhnst dich so bald wie möglich an die neue Situation.“

Dann sagen Sie mir doch endlich, wer Sie sind und was Sie von mir wollen!“

Sie stellte sich vor, wie er hinter der Maske hämisch grinste, als er sagte: „Ich denke die erste Frage erübrigt sich, und was die zweite angeht? Na schön. Ein wenig will ich dir vorab schon mal verraten. Du musst eine Prüfung bestehen, das ist alles. Dann lasse ich dich wieder frei.“

Diana blickte ihn ungläubig an. „Was denn für eine Prüfung? Und warum ausgerechnet ich?“ Sie vermutete, dass er wieder grinste. Sofort lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken.

Sagen wir einfach, weil ich dich ausgesucht habe. Darauf kannst du dir fast schon etwas einbilden. Alles Weitere erkläre ich dir später. Und wenn du brav mitspielst, dann kannst du sicher sein, dass dir kein Haar gekrümmt wird. Rohe Gewalt lehne ich ab.“

Der Mann war ihr ein Rätsel. „Und meine Entführung?“ fragte sie erbost. „Nennen Sie so etwas keine rohe Gewalt anwenden? Sie sind ein Verbrecher.“

Wieder änderte sich seine Stimme. „Nun mach aber mal halb lang. Was weißt denn du schon von Verbrechen und Gerechtigkeit? Nichts weißt du, gar nichts! Aber ich werde dir eine gewisse Zeitspanne zugestehen, bis du bereit sein wirst deine Prüfung anzutreten. Und damit es dir in der Zwischenzeit nicht langweilig wird, habe ich dir noch etwas mitgebracht. Er kramte in der Tasche, die er mitgebracht hatte, zog ein kleines Diktiergerät heraus und legte es vor ihr hin auf den Boden. „Das ist für dich. Ich möchte, dass du mir deinen Werdegang auf das Band sprichst. Alles, was dir dazu einfällt. Angefangen von deiner Schulzeit, deinem Studium, deine Karriere. Und lass nichts aus! Davon hängt letztendlich auch der Schwierigkeitsgrad deiner Prüfung ab. Also: je mehr du mir von dir erzählst, desto früher lasse ich dich wieder laufen, kapiert? Und versuch erst gar nicht von hier abzuhauen. Du kommst hier nicht raus, es sei denn ich will es so. Also spar dir deine Kräfte für die wichtigen Dinge auf.“

Diana spürte wie sie zornig wurde.

Was geht Sie eigentlich mein Leben an?“, schrie sie ich an. „Sie…Sie gehören in die Klapsmühle. Ich werde das verdammte Ding gegen die Wand schmeißen.“

Das würde ich dir nicht raten. Auf Ungehorsam steht Strafe. Denk einfach daran, ich kann dich sehen, wann immer ich will.“

Das auch noch, der Kerl überwacht mich!“

Auf einmal fiel ihr noch etwas ein.

Und wenn ich mich waschen möchte oder mal muss?“ fragte sie unsicher.

Keine Sorge, auch dafür ist gesorgt. Dann und wann lasse ich dich hier raus. Dann kommst du in einen anderen Raum. Dort stehen dir entsprechende Einrichtungen zur Verfügung.“

Aber man wird mich vermissen. Meine Familie, meine Freunde und…“

Welche Familie? Außer deine Schwester hast du doch niemanden.“

Verdammt, verdammt, verdammt. Das Schwein weiß alles über mich!“

Sie nahm all ihren Mut zusammen. „Ich will das hier aber überhaupt nicht!“

Ihre Bemerkung traf auf Schweigen, das nur von seinem schweren Atem unterbrochen wurde. Als er auf sie zu kam, dachte sie schon, er würde sie schlagen, aber er griff nur nach der Fußfessel und überprüfte die Kette. Sie wollte noch etwas hinzufügen, aber er hatte sich bereits von ihr abgewandt. Ein Rascheln war zu hören, als er sich der Treppe näherte und hinaufstieg. Dann war sie wieder auf sich allein gestellt.

Beim nächsten Mal war es ein anderes Geräusch, das sie aufweckte. In der Dunkelheit konnte sie sich zuerst nicht orientieren. Nur langsam erschienen helle Punkte, die so winzig waren, dass sie zunächst glaubte, sie wären nur Einbildung. Ihr Fußgelenk schmerzte. Dort wo die Fessel war schien sich etwas entzündet zu haben. Die Enge des kleinen Raumes flößte ihr Angst ein. Dazu suchte sie verzweifelt eine Antwort auf ihre Frage, was der Mann von ihr wollte. Aber sie fand keine. Als sie versuchte aufzustehen, war es um sie geschehen. Völlig benommen schwankte sie umher, konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Der Schock und die völlige Erschöpfung machten sich jetzt erst so richtig bemerkbar. Noch ehe sie sich besinnen konnte, sank sie zu Boden, versuchte noch wach zu bleiben, doch allmählich wurde ihr schwarz vor den Augen. Verschwommen nahm sie war, dass etwas um sie herum geschah.

Ein Geräusch…da ist doch ein Geräusch..? Oder ist es möglich, dass ich schon halluziniere?“ Nein, da war es wieder. Metall knirschte, jemand schlug auf den Boden. Schreie ertönten. Aber sie kamen nicht aus diesem Raum. Schlagartig traf sie die Erkenntnis, dass sie möglicherweise nicht die einzige Person war, die der Verrückte gefangen hielt.

 

 

Heute biete ich Euch ein komplettes Kapitel an. ( nicht lektoriert!)  Viel Spaß beim Lesen! Wie immer freue ich mich über Feedbacks und Anregungen.

 

 Mitmachkrimi Abwege

 

 ZWEITES KAPITEL

 

Polizeihauptkommissar Gereon schlug ärgerlich mit der Faust auf seinen Schreibtisch. Ich möchte mal gerne wissen, wann du endlich in die Gänge kommst? Vor fast zwei Stunden ist die Meldung eingegangen, dass am Fühlinger See ein Kanu kopfüber im Wasser treibt, aber weit und breit keine Menschenseele zu sehen ist. Kümmere dich endlich darum!“

 Polizeihauptwachtmeisterin Julia Brück versuchte cool zu bleiben. Wenn Gereon einmal in Rage kam, dann ließ man ihn am besten reden. Außerdem schrieb sie gerade an einem Bericht, den sie lange vor sich hergeschoben hatte, und endlich zuende bringen wollte. Sie hasste Papierkram.

 „Bin gleich fertig, Chef und dann fahre ich mit Klaus hinaus nach Fühlingen und checke die Lage.“

 "Schön - das ist ja auch dein Job! Wir können doch nicht seelenruhig zuschauen, wie Bürger aus unserer Stadt verschwinden. Kriminalrat Sengel und der neue Staatsanwalt machen mir die Hölle heiß. Wir müssen jeder verdammten Meldung nachgehen, auch wenn es sich nur um ein umgekipptes Boot handelt. Ansonsten steht morgen wieder im Express, die Polizei würde nichts unternehmen.“

Das versteh ich doch, Chef. Wer hat denn den Unfall gemeldet?“

 „Von Unfall habe ich kein Wort gesagt. Das ist reine Spekulation. Der Anrufer hat ausgesagt, er sei mit seiner Freundin am Fühlinger See spazieren gegangen und habe dabei das Boot gefunden. Das ist alles.“

 Julia erhob sich von ihrem Platz. In ihren Händen hielt sie einen Computerausdruck, der gerade frisch aus dem Drucker gekommen war. Sie versuchte ihren Chef ein wenig aufzuheitern.

 „Spazieren gegangen, Chef? Mit seiner Freundin? Wer hat denn heutzutage noch so viel Zeit? Naja, ich sehe mir den Vogel einmal aus nächster Nähe an. Scheiß Bereitschaftsdienst! Ich wäre jetzt lieber zuhause. Na ja, ist sicher nichts Wichtiges.“

 „Nun red nicht so dummes Zeug, Julia! Mach, dass du endlich fort kommst. Kannst mir dann später erzählen, was es gegeben hat. Die Nacht ist noch jung.“

 Sie schnappte sich ihre Lederjacke und verließ das Dienstzimmer. Draußen auf dem Flur atmete sie tief durch. Gereon konnte manchmal ein richtiges Ekelpaket sein. Vor allem, wenn er schlecht drauf war. Sie kannte ihn, seit sie von der Polizeischule gekommen war. Das waren noch Zeiten gewesen. Damals hatte sie sich nur ein winziges WG-Zimmer am Rande der Stadt leisten können, wo es nur sporadisch warmes Wasser und Strom gab. Dafür aber waren die Wände des beinahe schon baufälligen Gebäudes so dünn gewesen, dass sie jedes auffällige Wort ihrer Mitbewohner verstehen konnte. Am Tag waren es Streitigkeiten, die sie sich an den Kopf warfen und Nacht auf Nacht folgte das unaufhörliche Gestöhne aus ihrem Schlafzimmer, wenn sie sich wieder versöhnten. So hatte sie niemals enden wollen, war dann so oft sie konnte zum Blutspenden gegangen, um sich ein paar Cent extra zu verdienen. Eine finanzielle Verbesserung war erst eingetreten, als ihr der Job bei der Kölner Polizei angeboten wurde.

 Sie ging die Treppe hinunter in den ersten Stock. Hier hatten die Kollegen ihren Arbeitsplatz. Ohne anzuklopfen öffnete sie die Tür zum Zimmer Nummer 18 und musste prompt laut loslachen. Wachtmeister Klaus Behringer saß an seinem Schreibtisch und las Zeitung. Seine Füße lagen auf der Tischplatte, sein Stuhl wippte und neigte sich gefährlich nach hinten. Er trug verwaschene Jeans, ein zu großes Polohemd und ausgelatschte Turnschuhe. Sein verlebtes Gesicht benötigte dringend eine Restaurierung.

 „Nix los bei dir?“ begrüßte sie ihn sarkastisch. Klaus blickte von seiner Zeitung auf und strahlte sie an.„Ach du bist das, Julia. Das kannst du wohl laut sagen. Ist fast schon ein bisschen wie bezahlter Urlaub hier. Ich komme sogar dazu, die Zeitung zu lesen.“

 Klaus Behringer war erst vor einem Jahr als Quereinsteiger zur Polizei gekommen. Seitdem arbeitete er als Springer in den unterschiedlichen Dezernaten. Meistens wurde er dort eingesetzt, wo Not am Mann war, was in diesem Augenblick allerdings nicht der Fall zu sein schien.

 „Schluss mit lustig, Klaus. Befehl vom obersten Häuptling. Ich soll dich mitnehmen nach Fühlingen. Es hat eine Meldung gegeben.“

 Klaus blickte auf seine Armbanduhr. Es war bereits nach 22 Uhr.

 „Um diese Zeit noch?“ fragte er. „ Ich meine, was soll denn da draußen los sein? Ja wenn wir Sommer hätten, dann wäre das natürlich etwas anderes, aber so...“

 Julia zuckte mit den Achseln. „Seitdem sich die Vermisstenanzeigen gehäuft haben, ist Gereon ein wenig nervös geworden. Also, was soll`s, tun wir ihm den Gefallen und fahren mal kurz hinaus zum See. Ist wahrscheinlich sowieso nur falscher Alarm. Nimm deine Taschenlampe mit!“ Sie grinste und zog ihn am Ohrläppchen.

 "Au“, sagte Klaus, blickte sie verstohlen an und nahm seine langen Beine von der Schreibtischplatte.

 Sie verließen gemeinsam das Polizeigebäude und gingen auf den Hof, um sich eines der Dienstfahrzeuge zu nehmen, welches die Fahrbereitschaft den Beamten zur Verfügung stellte. Julia betrachtete das Lichtermeer von Köln, das scheinbar nirgendwo enden wollte. Sie mochte diese Stadt, das besonderes Flair und die Lebensfreude der Bewohner. Klaus bewegte sich auf einen blitzblank geputzen Passat zu. Dabei fasste er sich unbewusst an den Bauch. Zu wenig Bewegung und unregelmäßige Mahlzeiten hatten ihm ein chronisches Magenleiden beschert. Dazu rauchte er noch wie ein Schlot. Auch jetzt, während die Fernbedienung das Auto entriegelte, beschloss er, sich noch schnell eine Zigarette anzuzünden.

 „Denk nicht mal dran, sagte Julia bestimmend, die ihren Kollegen in und auswendig kannte.

 „Nur ein paar Züge, so viel Zeit muss sein. Ich muss ja hier draußen rauchen!“ Er griff zu seinem Feuerzeug. „Bei Euch in der Abteilung ist wohl mehr los, was?“ fragte er, um von dem Thema Rauchen abzulenken. Er zog an seiner Zigarette und blies den blauen Dunst genussvoll in den Himmel.

 „Das kannst du wohl laut sagen“, erwiderte Julia, die auf sein Ablenkungsmanöver hereinfiel. „Zwei Frauen sind misshandelt und ausgebraubt worden und dazu kommt diese scheinbar endlose Liste vermisster Personen.“

 „Und wer bearbeitet die Fälle?“

 „Na wer wohl? Gereon höchst persönlich. Und er schwitzt Blut und Wasser, seit der neue Staatsanwalt im Amt ist. Der muss ein richtiger Stinkstiefel sein.“

 „Ich habe bereits von ihm gehört“, erwiderte Klaus. Und sonst?“

 "Bei Irene im Imbiss hat es gebrannt. Die kennst du doch sicher, oder nicht?“

 „Meinst du die Alte von der Bruzelbude unten am Rheinufer?“

 „Genau die!“

 „Der hätte man schon viel früher die Bude abfackeln sollen, so wenig, wie die das Frittenfett gewechselt hat.“

 „Aber Klaus...“

 „Hoffentlich hat es keine Verletzte gegeben?“

 „Nur Irenes Koch und der war sturzbetrunken. Hat wahrscheinlich auch den Brand verursacht. Gereon hat ihn in Schutzhaft genommen.“

 „Schutzhaft?“

 „Na klar, Irene hat gedroht ihn umzubringen.“

 Beide amüsierten sich köstlich.

 „Sonst noch etwas?“

 „Nicht das ich wüsste. Fahren wir?“

 Klaus warf seine Zigarette in einen Gulli, worauf Julia mahnend den Zeigefinger hob. Sie grinsten, stiegen in den Dienstwagen und fuhren hinaus nach Fühlingen.

 Der See lag ruhig und dunkel vor ihnen, fernab des hektischen Nachtlebens der großen Stadt. Nur ab und zu tauchten die Scheinwerferlichter eines vorbeifahrenden Autos auf. Meist waren es Liebespärchen, die nach einem einsamen Plätzchen suchten. Klaus lenkte den Passat auf den Parkplatz bei der Regattabahn. Ein junger Mann stand vor einem aufgemotzten VW Polo und wedelte wild mit den Armen.

 „Wurde auch langsam Zeit, dass Sie kommen“, begrüßte er die beiden Beamten. „Ist ja schon eine Ewigkeit her, seit ich bei Euch angerufen habe.“

 „Immer schön mit der Ruhe, junger Mann. Am besten Sie zeigen uns einfach die Stelle und wir schauen uns ein bisschen um. Julia, bringst du bitte die Taschenlampe mit...“

 Das Gelände zum Ufer des Sees hin war stockdunkel. Julia leuchtete den Pfad mit ihrer Taschenlampe aus, während der junge Mann unaufhörlich drauf los plapperte und von seinem Fund erzählte. Es dauerte keine zehn Minuten, da hatten sie das Ufer erreicht. Jemand hatte das Kanu an Land gezogen.

 „Das war ich“, sagte der junge Mann voller Stolz. „Ich dachte bevor es abtreibt...“

 Julia und Klaus untersuchten das Boot, konnten aber weder eine Beschädigung, noch sonst etwas Ungewöhnliches feststellen. Bis auf die Tatsache natürlich, dass es mit der Öffnung nach unten lag. Sie drehten es um und Julia leuchtete mit der Taschenlampe hinein. Eine gähnende Leere schlug ihr entgegen.

 „Falscher Alarm, das hab ich mir doch gleich gedacht“, sagte sie. „Das Kanu wird sich irgendwo losgerissen haben.“

 „Mag sein, dass du recht hast Mädel, aber jetzt, wo wir schon einmal hier sind, komm leuchte mal das Ufer aus. Vielleicht finden wir noch etwas Anderes.“

 Sie suchten eine Weile das Gelände direkt am Ufer ab, fanden aber außer leeren Bierflaschen und benutzten Kondomen nichts Verdächtiges.

 „Lass uns die Aktion abbrechen“, sagte Klaus und machte sich daran den Pfad zu suchen, auf dem sie hergekommen waren.

 "Okay, lass uns Schluss machen…nein warte Klaus, hier ist noch etwas.“

 Der Schein der Lampe fiel auf einen verkohlten Baumstumpf, der ganz in Ufernähe stand und den jemand als Feuerstelle benutzt hatte. Daneben lagen: ein heller Mantel und eine Handtasche in passender Farbe. Die beiden Polizisten staunten nicht schlecht. Verdammt, was war das jetzt? Hatte sich vielleicht ein Liebespaar in die Büsche geschlagen?

Julia ging auf ihren Fund zu und lenkte den Strahl der Lampe auf die Fundsachen.

 „Sehen neu und teuer aus, oder was meinst du Klaus?“

"Sieh mal in der Tasche nach, ob da irgendetwas drin ist?“

 Julia reichte Klaus die Lampe, nahm routinemäßig ein paar Latexhandschuhe aus der Seitentasche ihrer Jacke, stülpte sie über ihre Hände und öffnete die Handtasche. Zum Vorschein kamen eine Geldbörse, ein Schlüsselbund, Papiertaschentücher sowie diverse Schminkutensilien. Julia interessierte in erster Linie die Geldbörse.

 „Bingo, ein Perso“, sagte sie.“

 „Perso?“

 „Ja, einen Personalausweis! Leuchte mal direkt auf die Vorderseite. So, jetzt kann ich was erkennen. Der Ausweis gehört einer Diana Meyfarth. Ausgestellt in Daun, Landkreis Vulkaneifel.“

 „Ich brech zusammen“, sagte Klaus „Nun ist doch noch ein Fall daraus geworden. Gereon muss sofort davon erfahren.“

 „ Am besten, ich rufe ihn gleich an“, entgegnete Julia. „Er soll entscheiden, wie es weiter geht. Wahrscheinlich wird er noch im Dunkeln das ganze Gelände absuchen lassen wollen.“

 Und genauso geschah es. Gereon schickte eine Zehnerschaft mit Suchhunden an den Fühlinger See, die mit Leuchtmitteln bewaffnet, bis in den frühen Morgenstunden das weiträumig abgesperrte Ufer absuchte. Der Erfolg blieb aus. Also griff Gereon zu drastischeren Mitteln und schickte zwei Sporttaucher nach. Sie suchten zunächst jene Stelle ab, wo das Boot ans Ufer getrieben war. Da war nichts, außer ein paar alten Gummistiefeln und einem verrosteten Fahrradrahmen. Danach erweiterten sie den Suchradius bis hin zur Mitte des Sees. Nichts! Von einer Diana M. war weit und breit keine Spur zu sehen. Am späten Nachmittag blies Gereon die ganze Aktion ab. Er schickte Klaus Behringer und Julia Brück, die beide völlig erschöpft waren nach Hause. Außer Spesen war nichts gewesen. Doch wenigstens würde ihm diesmal niemand Untätigkeit vorwerfen können. Und dennoch blieb der Verbleib von Diana M, sowie der Umstand, dass ihre persönlichen Utensilien am Ufer des Sees aufgetaucht waren, ungeklärt.

 

 

 

ABWEGE

Ein Mitmachkrimi

 

Vielen Dank für Eure Kritiken und Mitarbeit. Es geht weiter. Hier kommt der u n l e k t o r i e r t e zweite Teil des ersten Kapitels unseres Mitmachkrimis. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.

Die hintere Tür quietschte und Diana drehte sich um. Zum Glück war es nicht Leo, der sich erholt hatte, sondern ein weiteres Pärchen, das bis auf die Masken kaum noch etwas an hatte und ebenfalls in Richtung der schützenden Dunkelheit des Gartens verschwand. Dianas Füße schmerzten bereits in den neuen High Heels mit den hohen Absätzen und so überließ sie Leo seinem süßen Schlaf mit den taufeuchten Träumen von Liebe und Sex und ging wieder ins Haus.

Juhu, die Stripperinnen sind da!“, tönte es ihr entgegen.

Auch das noch. Bleibt mir denn heute wirklich gar nichts erspart?“

Die erste Tänzerin, eine resolut wirkende Rothaarige, mi einer Augenblende begann sich hin und her zu schlängeln, während sie sich einiger unnötiger Kleidungsstücke entledigte. Als sie fast nackt war, setzte sie sich auf den Schoß eines männlichen Gastes und leckte an seinem Ohrläppchen. Während sie mit dem Po wackelte, zwang sie den Kopf des betrunkenen Mannes zwischen ihre Brüste, bog ihren Rücken durch und sprang nach hinten weg. Eine vollbusige Blondine wiederholte den gesamten Vorgang, beugte sich allerdings dabei soweit vor, dass ihre Brüste über sein Gesicht strichen. Der Mann versuchte nach ihnen zu grabschen, war aber viel zu voll um einen Treffer zu landen. Also versuchte er es erneut, grölte etwas in die Menge und schnalzte mit der Zunge. An dieser Stelle brachte der Gastgeber jeder Tänzerin ein Glas Fruchtbowle, die sie rhythmisch wackelnd in sich hinein kippten.

Großer Gott! Brauchen Männer wirklich so etwas?“ fragte sich Diana. Vorsichtig drängte sie sich an der Meute vorbei, ging auf die Haustür zu und wurde prompt wieder aufgehalten. Diesmal vom Hausherrn persönlich, der ihr gefolgt war und sie nun zurück ins Haus bugsierte.

Du willst doch nicht etwa schon gehen, hübsches Kätzchen?“, fragte er ohne eine Spur betrunken zu wirken.

Deine Party ist wirklich wunderbar, aber ich muss leider…

„…etwas trinken“, sagte er schnell, hielt ein Kristallglas in den Springbrunnen und stieß ihn ihr entgegen, sodass etwas Flüssiges auf ihre Corsage schwappte. Er hielt sein eigenes Glas hoch, prostete ihr zu und trank es dann in einem Zug leer. Zu ihrem Glück bescherte ihm das Getränk einen Hustenanfall und es gelang Diana, sich abzusetzen, als er sich zusammenkrümmte und nach Luft schnappte.

Sie ging nach draußen, warf die lächerliche Katzen-Maske in einen Müllcontainer und lief über die Straße. Zunächst wollte sie noch ein Stück zu Fuß gehen, um sich dann ein Taxi zurufen. Der ganze Abend kam ihr wie eine Niederlage vor. Erst als sie sich etwas entfernt hatte und die Musik zu einem leisen Surren verklungen war, wurde ihr bewusst, dass es bereits später war, als wie sie es zunächst angenommen hatte. Sie blickte sich um, aber no way! Eine Rückkehr kam für sie nicht infrage. Also stöckelte sie weiter die Zufahrtsstraße entlang in Richtung Zentrum. Plötzlich flatterte etwas über ihren Kopf hinweg. Sie blickte hoch und sah einen Schwarm schwarzer Vögel in den Himmel steigen. „Brr…, grausig!“

Ihre Schritte auf dem Asphalt kamen ihr ungewöhnlich laut vor. Mit ihren hohen Absätzen musste sie aufpassen, wohin sie trat. Schon kam die erste Häuserreihe in ihr Blickfeld. Die Häuser standen ein Stück versetzt zur Straße. Nur hier und da brannte Licht. Ein Wagen kam mit quietschenden Reifen auf sie zu gesaust. Diana zuckte zusammen. Sie konnte sich gerade noch an einem Laternenmast festhalten. Die jungen Typen in dem vollbesetzten Wagen grölten ihr durch die geöffnete Fensterscheibe etwas zu. Dann spurtete der Wagen davon. Sie war wieder allein.

Und wieder schallte nur das Klacken ihrer Absätze durch die Nacht. Sie hatte noch eine kleine Strecke vor sich. Vielleicht wäre es besser, doch gleich über das Handy ein Taxi zu rufen? Das Geräusch eines weiteren Wagens ließ sie aufhorchen. Dieser fuhr deutlich langsamer. Diana drehte sich um und sah das Licht zweier Scheinwerfer auf sich zukommen. Ich gehe einfach weiter, dachte sie, beschleunigte ihre Schritte und ignorierte den Schmerz ihrer Füße in den neuen Schuhen. Eine dunkle Limousine fuhr langsam an ihr vorbei. Sie versuchte, möglichst unauffällig hineinzuschauen, konnte jedoch den Fahrer nicht erkennen. Jetzt bremste er an dem Stoppschild weiter vorne. Diana konnte die Bremslichter sehen, doch der Wagen blieb stehen. „Verdammt! Warum biegt er nicht ab?“ Sie spürte, wie sich ihre Muskeln vor Angst verkrampften. „Nun fahr schon endlich weiter, du Idiot.“ Ob der Fahrer sie beobachtete?

Das Handy…!“ Natürlich, sie hatte es ganz vergessen. Als sie es aus ihrer Handtasche hervor zerrte, wurde das Motorengeräusch lauter und der Wagen bog um die Kurve und verschwand. Sie blickte hinter ihm her und kam sich irgendwie selten dämlich vor. „Jetzt leide ich schon unter Halluzinationen“, murmelte sie zu sich selbst, behielt aber das Handy fest in ihrer Hand. Sie ging schneller und überquerte die Straße. Genau dort, wo der Wagen zuvor angehalten hatte. Ihre Füße brannten, doch sie drosselte ihr Tempo nicht. Auf der linken Straßenseite lag das neue Einkaufszentrum mit Filialen von Lidl und Aldi. Tagsüber tummelte sich hier das wahre Leben, jetzt jedoch lag alles verlassen da. Sie fröstelte. Endlich nahm sie das Handy hervor und wählte die Nummer der Taxizentrale. Nichts rührte sich.

Ein Funkloch! So ein Mist!“ Sie musste noch etwas weiter gehen. Jetzt beschlich sie wieder das Gefühl, beobachtet zu werden. Sie ging noch schneller. Am Rande des Einkaufzentrums war niemand, bloß ein Wagen. „Komisch, der ist mir zuvor noch gar nicht aufgefallen. Großer Gott, ist das etwa derselbe Wagen von vorhin?“

Diana rannte los. Der Wagen kam näher. Mit der linken Hand wählte sie den Notruf und hielt sich das Handy ans Ohr. „Verdammt, immer noch nichts!“ Da war kein Piepton, kein Freizeichen, nichts. Das Display zeigte Netzsuche an. Jetzt war der Wagen auf ihrer Höhe und fuhr langsam neben ihr her. Der Fahrer spielte ganz offensichtlich mit ihrer Angst. Sie hielt sich das Handy ans Ohr und tat so, als ob sie telefonierte. Da beschleunigte der Wagen und verschwand in der Dunkelheit vor ihr. „Nur noch ein kleines Stück weiter! Hinter dem Einkaufszentrum bauen sie ein paar hohe Gebäude. Wenn ich daran vorbei bin, bekomme ich bestimmt wieder eine Verbindung.“

Das Licht der Straßenlaterne flackerte. Irgendetwas stimmte nicht mit der Birne. Sie ging immer an und aus. Als sie an der Baustelle vorbei war, piepste plötzlich ihr Handy. Endlich hatte der Apparat ein Netz gefunden. Erleichtert wollte sie die Nummer der Taxizentrale wählen, als sich wie aus dem Nichts, eine Hand um ihr Handgelenk schloss. Es schmerzte. Sie öffnete ihre Hand und das Handy fiel zu Boden. Diana kam nicht einmal mehr zu einem einzigen Schrei, da sich die andere Hand des Unbekannten mit einem stinkenden Etwas darin bereits fest auf ihr Gesicht gepresst hatte. Alles um sie herum drehte sich, ihr wurde schwarz vor Augen. Sie verlor das Bewusstsein und bekam nicht mehr mit, wie der Unbekannte sie auffing, zur Beifahrertür seines Wagens schleppte, hineinzerrte und anschnallte. Genauso wenig merkte sie, wie er den Anlasser betätigte, den Motor startete und losfuhr

 

In diesem Kapitel dreht sich eigentlich alles um Diana M. Wir wissen, sie ist Studentin und arbeitet nebenbei als Hostess. Bisher macht sie einen unterkühlten, leicht unsymphatischen Eindruck.

Frage: Wie soll Diana aussehen? Welche Charaktereigenschaften soll sie haben? Wie stellt Ihr Euch Diana vor. Beschreibt sie mir

Und wie immer, habt Ihr Änderungswünsche, Kritik, Lob, Anregungen zum Text?

 

 

 

 

                                                                    ERSTES KAPITEL

 

 Einige Tage zuvor...

 

 

 

 „Belgisches Viertel, wir sind da.“ verkündete der Taxifahrer mit schlaftrunkener Stimme. „Soll ich hinüber auf den Parkplatz fahren?“

 

 „Nein, lassen Sie uns für einen Moment hier stehen bleiben.“

 

 Diana M. öffnete ihre Handtasche, holte einen kleinen Taschenspiegel hervor und überprüfte ihr Makeup. Alles war perfekt. Sie legte das Teil zurück und griff zu der Maske, die sie sich extra für diesen Abend besorgt hatte. Es war eine „Sexy Cat“ Maske.

 

Offiziell war Diana Studentin, aber nebenbei verdiente sie sich ein gutes Zubrot als Hostess. Sie bedankte sich, bezahlte den Fahrer und stieg aus dem Taxi. Die Adresse zu der sie musste, lag auf der anderen Straßenseite. Es herrschte kaum Verkehr. Diana überquerte die Fahrbahn. Während sie auf das Haus mit der Nummer 22 zu ging, betrachtete sie das Gebäude. Von außen wirkte es schlicht und einfach. Anscheinend wollte der Eigentümer kein großes Aufsehen erregen. Dann stand sie vor der Eingangstür und betätigte die Klingel. Aus dem Hintergrund ertönte ein tiefer Gong. Oberhalb der Tür bewegte sich eine Kamera. Während sie wartete, erinnerte sie sich an eine ganz besondere Party, an der sie bereits in diesem Hause teilgenommen hatte. Damals war sie als Schneewichten gegangen und ihr Gastgeber als Zorro. Jemand betätigte die Sprechanlage. „Das Kennwort bitte“, sagte eine monotone Stimme. „Spielwiese", antwortete Diana brav und bestätigte das Codewort, welches ihr vom Gastgeber übermittelt worden war. Den hatte sie im Übrigen noch niemals zu Gesicht bekommen, denn er trug stets eine Verkleidung, genauso wie die anderen Gäste. Die Tür öffnete sich und Diana betrat das Haus. Das Innenleben war ganz anders als man es aufgrund der äußeren Fassade erwarten durfte. Allein die Ausmaße des Wohnzimmers musste jedem neuen Besucher die Sprache verschlagen. Mit mehr als 100 m2 Größe übertraf es alles, was die meisten bisher gesehen hatten. Eine exklusive Auswahl an Antiquitäten und teuren Teppichen auf blitzblank geputzten Marmorböden, vermittelten den Eindruck von Wohlstand und Vermögen.

 

 „Was haben wir denn da für ein hübsches Kätzchen?“, begrüßte sie eine angenehm männliche Stimme. Diana drehte sich um und blickte in eine Dobermann-Maske. Sie gehörte zu ihrem Gastgeber. Zum Dank für das Kompliment machte sie einen Knicks. Dabei öffnete sie gleichzeitig ihren Mantel.

 

 „Ich hoffe, das hier wird dir noch besser gefallen“, erwiderte sie und lächelte kokett. Der Gastgeber nahm ihr den Mantel ab. Darunter trug sie einen schwarzen Minirock und eine hautenge Corsage, die ihre Figur besonders hervorhob. Rote High Heels setzten dem Ganzen noch einen drauf.

 

 „Freut mich sehr, dass Du kommen konntest, du siehst zum anbeißen aus“, sagte ihr Gastgeber, nahm sie bei der Hand und führte sie mit sich fort.

 

 Die Party war bereits seit ein paar Stunden im Gange. Die Gäste tanzten, tranken und flirteten, was das Zeug hielt. Diana bemerkte, wie sich Pärchen bildeten. Auf einem Sofa verführten zwei maskierte Herren eine Dame, die eine venezianische Augenmaske trug. Ein weiterer Typ filmte die ganze Aktion. Hinter dem Wohnzimmer befand sich der berühmte Springbrunnen. Diana konnte sich noch sehr gut an seinen Inhalt erinnern: Fruchtbowle mit Zusätzen. Bei ihrem Besuch im letzten Jahr hatte sie einen Schluck davon getrunken, sich dann aber dazu entschlossen, doch besser beim Mineralwasser zu bleiben. Eines ihrer Prinzipien lautete: Immer schön nüchtern bleiben. Dann weißt du auch, was du tust. Damals hatte sich die Party prächtig entwickelt. Vor allem, als sie Guido kennenlernte, einen sehr angenehmen Zeitgenossen. Er war großzügig und zuvorkommend gewesen und sie hatte den Rest der Nacht mit ihm in einem Hotel verbracht. Viel von ihm hatte sie allerdings nicht in Erfahrung bringen können, nur das er verheiratet war. Danach hatten sie sich noch ein paar Mal getroffen, aber dann war die ganze Sache irgendwie eingeschlafen. Wie oftmals war es nur eine Bettgeschichte gewesen, nicht mehr und nicht weniger. Seitdem hatte es kein Fest mehr in dieser Größenordnung gegeben. Doch die Mund zu Mund Propaganda funktionierte bestens und nun hatte sich wieder eine frivole Menge zusammengefunden, um eine ausschweifende Party zu feiern.

 

"Hoffentlich lerne ich wieder einen zahlungskräftigen Mann kennen, so wie diesen Guido im vergangenen Jahr“, dachte sie, während sie durch das Haus spazierte. Der Gastgeber hatte überall Bildschirme aufgestellt, auf denen schmutzige Filme liefen, selbst draußen auf der Terrasse. Und selbstverständlich war auch der Fruchtbowlen-Springbrunnen wieder im Einsatz. Diana schaute sich um. Die meisten der Gäste standen bereits unter Alkoholeinfluss. Um eine gewisse Anonymität zu bewahren, trugen sie Masken. Dahinter konnte man sich so wunderschön verstecken, wenn man die Sau raus lassen wollte. Sie beobachtete das Verhalten der Party-Gäste. Manch einer befand sich bereits im fortgeschrittenen Stadium. Ein Kerl mit einer Piratenmaske starrte sie an. Diana ging schnell in ein anderes Zimmer, doch er schlich ihr nach und schnitt ihr den Weg ab. Er stand so dicht vor ihr, dass sie durch die Augenschlitze der Maske seine Augen sehen konnte. Sie waren hellblau und eiskalt. Ihr fröstelte. Schnell drehte sie sich um und hielt Ausschau nach jemandem mit dem sie sich unterhalten konnte, aber es gab niemanden, der so war wie Guido im vergangenen Jahr – Charmant, witzig und großzügig. Der unbekannte Pirat grinste sie durch seine Maske an. „Dich krieg ich noch“, flüsterte er und Diana lief es eiskalt den Rücken hinunter.

 

Gegen 23.00 Uhr war Diana die einzige, die noch ohne fremde Hilfe aufrecht stehen konnte. Alle anderen hatten kräftig einen sitzen. Ein Mann mit einer Affenmaske lag tief schnarchend unter einem antiken Holztisch. Seine Hose war verschwunden, dafür hatte jemand sein bestes Stück rot angemalt. Die meisten der kostbaren Kleinmöbel waren auf Seite geschoben worden. Überall standen halbvolle Gläser und Becher mit Fruchtbowle herum. Reste von Gebäck und Lachsschnittchen schmückten sich mit Konfetti und Luftschlangen. In den Salatschüsseln schwamm alles Mögliche, nur kein Salat. Es sah aus wie flüssige Pizza. Diana suchte weiter nach einem geeigneten Kandidaten, aber es wollte sich keiner finden lassen. Entweder waren die Typen betrunken und vulgär, oder aber bereits mit einer anderen Dame zugange.

 

"Tja, mit der Kohle wird es wohl nichts“, dachte Diana und fand, dass der richtige Zeitpunkt gekommen war, um sich unbeobachtet aus dem Haus zu schleichen. Sie erinnerte sich an die beiden schmalen Türen, die dicht nebeneinander lagen und von denen eine hinaus auf die Terrasse führte. Sie tat genau zwei Schritte in besagte Richtung, als sich von hinten ein gewaltiges Gewicht auf sie senkte. Hastig drehte sie sich um und stellte fest, dass ein übergewichtiger Bursche mit einem Löwenkopf versuchte, sich um ihren Rücken zu schlingen. 

 

 „Hi“, sagte er dazu und drückte sie fest an sich. „Isch bin de Leo.“

 

 „Diana hatte alle Mühe ihn abzuschütteln. „Ich wollte gerade gehen, trinken Sie doch noch einen“, sagte sie, um ihn loszuwerden. Leo rülpste. „Isch will nischs su drinken“, lallte er. „Nur ma so Hallo sagen. Du bisssu süß. D…das wollte ich dir nua sagen.“

 

Vielen Dank“, erwiderte Diana, während sie weiterhin versuchte, den Löwen loszuwerden. Der war jetzt gerade dabei ihren Hals mit seinen Händen zu umklammern, was nicht gerade angenehm war. „Ich glaube, du brauchst dringend etwas frische Luft, Leo“, krächzte sie, in der Hoffnung, dass er verstand und dahin verschwand, woher er gekommen war. Tat er aber nicht, sondern klammerte sich noch fester an sie, während sie panisch versuchte, nach hinten auszubrechen. Durch den Mundschlitz sah sie seine labbernde Zunge, die sich leicht nach außen schob, während er sie rückwärts auf die Veranda drückte. Ein eng umschlungenes Paar stand in der hinteren Ecke, fest an das schmiedeeiserne Geländer gepresst. Eine Frau mit einer Vampirmaske kicherte und ließ ihre Hand im Hosenschlitz des Mannes verschwinden. Danach zog sie ihn mit sich in die Dunkelheit des anliegenden Gartens. Dort verwandelte sich der Klang des Kicherns allmählich zu einem Laut des Schleckens -und Stöhnens.

 

Willst du dich nicht setzen?“, schlug Diana hoffnungsvoll vor.

 

Nein“, sagte Leo und zog sie zu sich hinunter, mit einer Kraft, die ungefähr dem doppelten ihres Gewichts zu entsprechen schien.

 

Isch will mit dir bumsen.“

 

 „Äh nun…“, wollte sie gerade angesichts seiner geballten Unverschämtheit erwidern, da sackte er plötzlich in sich zusammen, und seine Arme rutschten von ihrem Hals. Der Alkohol hatte ihm den Rest verpasst. Gott sei Dank!“

 

 Sie versuchte erst gar nicht, ihn aufzufangen und vor einem Sturz zu bewahren. Erleichtert lehnte sie sich gegen das Geländer und atmete tief durch. Die Luft war klar und sauber, und es war immer noch warm hier draußen und allemal angenehmer, als in der gerammelt vollen Bude, mit dem Gestank nach Zigaretten, Schweiß und Alkohol. Das war es wirklich nicht, was sie gesucht hatte. Einen zahlungskräftigen Verehrer, warum nicht, aber bei den vielen Schnapsleichen da drinnen, konnte man noch nicht einmal eine vernünftige Unterhaltung führen. Außerdem hatte jemand diese riesigen Lautsprecher aufgestellt, aus denen laute Discobeats dröhnten und jegliche Konversation von vorne herein unmöglich machten. Und dafür habe ich mich extra in Schale geworfen, dachte sie, strich über ihren schwarzen Minirock und überlegte, was sie stattdessen noch unternehmen konnte.

 

 Frage 1 : In diesem Teil ist von einem Kennwort die Rede. Habt Ihr bessere Vorschläge als „Adel verpflichtet“, oder soll es so bleiben?

 

 Frage 2: Passen Maskenbilder von Politikern in diese Geschichte? Macht mir andere Vorschläge.

 

 Frage 3: Möchtet Ihr etwas an dem Text ändern? Wünsche, Kritik, Lob?